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«Wie die Titanic» - Luxusreise wird zum Alptraum

Der Kapitän soll das Schiff bis auf 150 Meter ans Ufer herangefahren haben. Womöglich wollte er Inselbewohner mit einem Signalton grüßen. Foto: Maurizio Degl'Innocenti

Rom (dpa) - Es sollte eine Traumreise im Mittelmeer werden, acht Tage unter dem Motto «Duft der Zitrusfrüchte» mit Stationen in Marseille, Barcelona, Palma de Mallorca und Palermo.

Für die mehr als 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder des Kreuzfahrtriesen «Costa Concordia» gerät die Luxusfahrt aber gleich vor der Küste der Toskana zum nächtlichen Alptraum. Das Schiff läuft an einem Felsen auf Grund, Panik bricht unter den Passagieren aus, viele springen ins Wasser, die nahe Insel Giglio vor Augen. Bis zu 150 Menschen werden von Rettungsmannschaften aus dem Meer gefischt, für mindestens drei kommt aber jede Hilfe zu spät.

Die übrigen Passagiere und Besatzungsmitglieder werden in Rettungsbooten zur Insel gebracht. Verfroren und verstört lassen sich die Italiener, Spanier, Franzosen, Japaner sowie auch rund 500 Deutsche in ihrer Abendkleidung retten - ein Schiffbruch, als sie gerade gemütlich beim Essen sitzen.

Es gibt einen Knall, der Strom fällt aus, während viele fein gekleidete Passagiere gerade gemeinsam mit dem Kapitän zu Abend essen. Der Gigant der Meere scheint einen Felsen gerammt zu haben, Wasser dringt ein. Es kommt zu Szenen «ähnlich wie im Film "Titanic"», berichtet ein 38-jähriger deutscher Passagier der Nachrichtenagentur dpa von der gefährlichen Schräglage des Schiffes. Wer abergläubisch ist, der erinnert sich: Es ist Freitag, der 13.

Vielen an Bord des 290 Meter langen und knapp 36 Meter breiten Kreuzfahrtriesen kommt als erstes die Katastrophe der «Titanic» in den Sinn: «Das Essgeschirr ist von den Tischen gerutscht, und die Gläser kippten um», so berichtete der Ansa-Agenturjournalist Luciano Castro von der Kreuzfahrt. Augenzeugen und Betroffene berichten nach der Rettung aus einem zunehmend in Schieflage geratenden Schiff von dramatischen Szenen. Mütter hätten nach ihren Kindern geschrien, manchem sei die Todesangst ins Gesicht geschrieben gewesen. Es habe an den richtigen Schwimmwesten gefehlt. Verzweifelt sprangen Dutzende Menschen über Bord ins Mittelmeer, das im Januar eiskalt ist.

Wie konnte das passieren? Menschliches Versagen, ein Fehler in der Elektronik oder kann es andere Gründe geben? Diese Untersuchung bleibt eine Aufgabe der schon zur Insel Giglio geschickten Fachleute. Rund um das Schiff mit dem langen, klaffenden Riss an der Seite suchten am Samstag noch ein Dutzend Schiffe, neun Hubschrauber, Feuerwehrleute sowie Taucher nach Vermissten. Dutzende waren im Schiff eingeschlossen, sie wurden befreit. Und doch blieb die Angst, vielleicht nicht alle gefunden zu haben.

Als die Tausenden Schiffbrüchigen wieder festen Grund unter den Füßen haben, hagelt es in Interviews etwa des TV-Senders SkyTG 24 massive Kritik an der Rettungsaktion: «Die Mannschaft war absolut nicht darauf vorbereitet, die ihnen dabei zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen», berichtete die Journalistin Mara Parmegiani Alfonsi. «Es waren apokalyptische Szenen, und bei alledem haben wir wenig vom Bordpersonal gesehen», klagt Giuseppe Romano (57) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Ansa. Andere Passagiere berichteten, die Crew sei in Panik verfallen, man habe sich Schwimmwesten selbst besorgen müssen.

Auch Peter Honvehlmann aus dem Ruhrgebiet berichtete der Nachrichtenagentur dpa, die Rettung sei chaotisch gewesen: «Das war die erste Kreuzfahrt in meinem Leben und sicherlich auch die letzte.» Andere Passagiere sprachen von «Null Organisation» und einem viel zu spätem Handeln. Sie hätten sich wirklich an die «Titanic» erinnert «und geglaubt, wir müssten in diesem Alptraum sterben.» Der Untergang der «Titanic» jährt sich im April zum 100. Mal.

Die «Costa Concordia» mit ihren 114 500 Registertonnen ging erst vor knapp sechs Jahren als größtes Kreuzfahrtschiff Italiens auf Jungfernfahrt. Die Stromkapazitäten an Bord könnten eine Stadt von 50 000 Einwohnern versorgen, die verlegten Kabel auf dem damaligen Prunkstück der Genueser Schiffswerft Sestri Ponente sind zusammen etliche hundert Kilometer lang. Am Samstag nach der Havarie war die Schlagseite des Schiffs der 58 Balkon-Suiten, 13 Bars und 5 Restaurants allerdings schon so stark, dass ein Gutteil der «Costa Concordia» im Mittelmeer verschwunden war. Das schreckliche Ende einer Traumreise.

Schifffahrt / Unfälle / Italien
14.01.2012 · 21:43 Uhr
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