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WHO ruft bei Schweinegrippe höchste Alarmstufe aus

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Genf/Düsseldorf (dpa) - Die Schweinegrippe hat sich zur ersten Grippe-Pandemie seit über 40 Jahren entwickelt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief am Donnerstag die höchste Alarmstufe 6 aus.

Das Virus breite sich mittlerweile auf mindestens zwei Kontinenten beständig aus, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am späten Nachmittag in Genf. Außer in Nordamerika gibt es auch in Australien fortwährend Ansteckungen von Mensch zu Mensch. Mit der Hochstufung hat der Ausbruch die Qualität einer weltweiten Epidemie (Pandemie) bekommen. Für Deutschland werde sich jedoch vorerst «nichts ändern», betonte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in Berlin. Deutschland sei «gut vorbereitet».

«Ich bin nicht in Panik, aber schon in Sorge und rechne auch damit, das wir in den nächsten Wochen auch mehr Fälle haben werden», sagte Schmidt. Die Schweinegrippe gilt als erste Grippe-Pandemie seit 1968, als an der Hongkong-Grippe weltweit mehr als eine Million Menschen gestorben sein sollen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte vor Überreaktionen. «Lassen Sie mich betonen: Dies ist eine formale Erklärung über die geographische Ausbreitung der Krankheit. Es ist kein Grund zur Panik», sagte Ban in New York. Obwohl das Virus ansteckend sei, sei die Erkrankung nicht so schwerwiegend wie befürchtet, und die Todesraten blieben bisher niedrig. «Trotzdem müssen wir auf der Hut sein. Wir wissen nicht, welches Bild sich in den kommenden Monaten entwickelt», sagte Ban.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, nannte die WHO-Entscheidung nicht überraschend. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher betonte, hierzulande gebe es bereits die von der WHO in Alarmphase 6 geforderten Strukturen und Expertengespräche. Auch Bund und Länder stimmten sich schon regelmäßig ab. «Im Moment haben wir eine Situation, in der wir eine überschaubare Zahl von Erkrankungen haben», sagte die RKI-Sprecherin. Wahrscheinlich werde sich daher in Deutschland auch trotz des Ausbruchs der Schweinegrippe in einer japanischen Schule in Düsseldorf vorerst nichts Wesentliches ändern.

An der Düsseldorfer Schule haben sich mindestens 46 Kinder mit dem neuen H1N1-Grippevirus angesteckt. Der genaue Infektionsweg ist noch unklar. Die erkrankten japanischen Schüler und ihre Familien seien zu Hause unter Quarantäne gestellt worden, sagte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts, Heiko Schneitler. Zu Massentests kamen Eltern und Geschwister in die Schule, in der bis mindestens Ende nächster Woche kein Unterricht stattfindet.

Die Krankheitsverläufe bei den betroffenen Kindern beschrieb Schneitler als relativ mild. Mehr als 500 Kinder besuchen die japanische Schule, knapp 50 Lehrer unterrichten dort. In Düsseldorf leben mehr Japaner als in jeder anderen deutschen Stadt. Auch in einem Kölner Gymnasium wurde bei 8 Schülerinnen aus drei Klassen die Schweinegrippe festgestellt. Das betroffene Irmgardis-Gymnasium bleibt nach Angaben der Stadt zunächst geschlossen. Die Zahl der Schweinegrippefälle in Deutschland schnellte damit auf weit mehr als 100.

Weltweit hat die WHO bislang fast 30 000 Infektionen in 74 Ländern registriert. 144 Patienten sind gestorben. Am Mittwoch hatte Chan mit Vertretern von acht Ländern konferiert, in denen das Virus verstärkt auftritt, darunter auch Australien, wo es mittlerweile mehr als 1200 Fälle gibt. Die WHO empfiehlt aber trotz der Hochstufung zur Pandemie keine weiteren Beschränkungen, insbesondere nicht für Handel, Reisen oder Grenzschließungen, sagte die WHO-Chefin. «Keine bisherige Pandemie ist so früh entdeckt und von Anfang an so zeitnah beobachtet worden.» Die Infektionen verliefen bisher relativ mild. «Aber das kann sich ändern.» Deshalb fordere die WHO internationale und solidarische Aufmerksamkeit. «Das Virus ist sehr unberechenbar.»

Laut Chan wird kein Land vor September über einen Impfstoff verfügen. Zudem betonte sie, man dürfe die Vogelgrippe nicht vergessen. «Da sind wir auf Stufe 3.» Es sei das erste Mal, dass es zwei Pandemie-Alarmstufen gibt.

Unterdessen beschlossen die Behörden in Hongkong, nach mehreren Schweinegrippefällen bei Kindern alle Kindergärten, Krippen und Grundschulen für zwei Wochen zu schließen. Im dicht besiedelten Hongkong leben rund sieben Millionen Menschen, bislang wurden dort 49 Schweinegrippefälle registriert.

In Deutschland rechnet der Tropenmediziner Emil Reisinger von der Universität Rostock mit einer stärkeren Zunahme der Fälle im Winter. Die Übertragung des Virus geschehe in der kalten Jahreszeit leichter. Er warnte zugleich vor Überreaktionen. «Jede Grippe hat ein gewisses Risiko, daran zu versterben.» Dieses Risiko sei bei anderen Grippevarianten aber größer als bei der Schweinegrippe.

Gesundheit / Grippe
11.06.2009 · 22:40 Uhr
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