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WHO befürchtet weitere Ausbreitung der Cholera

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New York (dpa) - Die Cholera in Haiti breitet sich nach Angaben der Vereinten Nationen langsamer aus als zunächst befürchtet. Gleichzeitig wird sie nach Meinung der Weltgesundheitsorganisation zu einer dauerhaften Bedrohung für Haiti, aber auch für die benachbarte Dominikanische Republik.

Bisher sind rund 3100 Cholerafälle gezählt worden, 259 Menschen sind bis zum Montag an der Krankheit gestorben. Die Cholera war am Dienstag der vergangenen Woche im Department L'Artibonite ausgebrochen, zum ersten Mal seit über 100 Jahren.

Ein UN-Sprecher bestätigte am Montag in New York einen Bericht der haitianischen Regierung, wonach sich die sanitäre Lage in dem Karibik-Land stabilisiere. «Die Zahl der neuen Fälle beginnt zu sinken», sagte der UN-Sprecher. «Die Tendenz geht in Richtung Stabilisierung», sagte Gabriel Timothée vom Gesundheitsministerium, wie der Sender Radio Metropole am Montag berichtete.

«Wir können aber noch nicht sagen, ob wir den Höhepunkt überschritten haben.» Inzwischen lassen die UN auch Klärbehälter einfliegen, um in dem Anfang Januar von einem gewaltigen Erdbeben zerstörten Land an vielen Stellen Wasser aufbereiten zu können. Zudem werden überall in Haiti Notfallpläne gegen die Cholera umgesetzt.

Dennoch warnte die WHO vor einem Ausbreiten der gefährlichen Krankheit. Es bestehe ein sehr hohes Risiko, dass die Cholera auf verschiedene Teile des Landes, aber auch auf die benachbarte Dominikanische Republik übergreifen könne, sagte WHO-Direktor Jon Andrus am Montag vor der Presse in Washington. «Die Cholera hat sich in Haiti festgesetzt», sagte er. «Es ist klar dass sie mehrere Jahre nicht von dort verschwinden wird.»

Regierung und Vereinte Nationen, die Haiti seit 2004 mit einer 10 000 Mann starken Stabilisierungsmission helfen, hatten befürchtet, dass die Cholera auf die Hauptstadt und vor allem die Obdachlosenlager der Erdbebenopfer übergreifen könnte. Das war bis Montag dank der Maßnahmen der seit dem Erdbeben im Januar in Haiti tätigen internationalen Hilfsorganisationen nicht der Fall.

Bislang wurden nur fünf aus dem Infektionsgebiet L'Artibonite eingeschleppte Fälle entdeckt und isoliert. In Port-au-Prince und anderen vom Erdbeben zerstörten Städten wie Léogâne und Petit Goâve errichten die Hilfsorganisationen derzeit Krankenstationen mit speziellen Quarantäne-Abteilungen.

Nach dem Ausbruch der Krankheit in der Vorwoche waren innerhalb kürzester Zeit 140 Menschen gestorben, über 1000 infizierten sich. Das Krankenhaus in der Stadt Saint-Marc an der Küste war dem Ansturm der Verzweifelten und Sterbenden nicht gewachsen.

Die Behörden vermuten, dass nach den Regenfällen der vergangenen Wochen Latrinen überliefen und das bakterienverseuchte Wasser in den Fluss Artibonite gelangte. Die Cholera ist für Haiti eigentlich untypisch. Eine Epidemie hat es in dem Land nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation seit über 100 Jahren nicht gegeben.

Bei dem Erdbeben am 12. Januar wurden in Port-au-Prince und in der Umgebung weit über 220 000 Menschen getötet. Mehr als eine Million Menschen leben seither auf engstem Raum in Obdachlosenlagern.

Gesundheit / Haiti
25.10.2010 · 22:57 Uhr
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