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Wettskandal: Europas Fußballwelt in Aufruhr

Zürich (dpa) - Der Fußball-Wettskandal beschäftigt Vereine, Ermittler, Medien und Funktionäre in ganz Europa. In der Schweiz ist nach dem Zweitligisten FC Thun nun ein weiterer Verein von Ermittlungen im Fußball-Wettskandal betroffen.

Der Zweitligist FC Gossau hat seinen Mittelfeldspieler Mario Bigoni suspendiert. Das bestätigte Vereinspräsident Roland Gnägi in der Zeitung «Blick» (Montagausgabe). Bigoni sei geständig, berichtet die Zeitung. Laut Gnägi hat der 25-Jährige zugegeben, «dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen» sei.

Dem Zeitungsbericht zufolge hat ein Mitspieler Bigoni mit den Worten angesprochen: «Du, da ist Geld zu verdienen!». Dazu müsse es nur «ein gewisses Resultat» geben. Das sei ja kein Problem, da der FC Gossau ohnehin schon abgestiegen war. Bigoni habe ihm aber nicht gesagt, ob er auf das Angebot eingestiegen sei, sagte Gnägi. Da Bigoni inzwischen von der Polizei vernommen worden sei, sei er umgehend suspendiert worden.

Am Sonntag war bekanntgeworden, dass der Zweitligist FC Thun seinen Stürmer Omar Faye gesperrt hatte. Der 22-Jährige habe zugegeben, dass er von der Polizei vernommen wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum werden im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Spielmanipulationen durch Sportwetten allein in der Schweiz 22 Partien der 2. Liga und 6 Vorbereitungsspiele untersucht.

Unterdessen hat der deutsche Fußball-Bund (DFB) für den heutigen Montag um 14 Uhr eine Pressekonferenz angesetzt. DFB-Präsident Theo Zwanziger , der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Carsten Koerl von der Sportradar AG und DFB-Chefjustiziar Jörg Englisch wollen daran teilnehmen.

Der Europäische Fußballverband UEFA will sich am Mittwoch zu einem Krisengespräch treffen. Auch die Spitze des türkischen Verbandes (TFF) wird daran teilnehmen. «Vor dem Treffen kann der Verband keine Stellungnahme abgeben», sagte ein TFF-Sprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Istanbul.

Österreich fordert für die Verantwortlichen Fußball-Wettskandal «härteste Strafen». Es müsse ein klares Signal her, sagte der sozialdemokratische Sportminister Norbert Darabos nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Montag in Wien. Da zehntausende Menschen geschädigt wurden, seien höhere Strafen als für Doping angebracht.

In Österreich stehen nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft elf Spiele in der Ersten und Zweiten Liga unter Manipulationsverdacht. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssten die involvierten Vereine aus dem laufenden Spielbetrieb ausgeschlossen werden, sagte der Sportminister. Sportwetten ganz verbieten will der Politiker aber nicht: Sie seien immer Bestandteil des Sports gewesen und würden dies auch weiter sein. Um Betrug zu vermeiden, müsse man auf bessere Wettsysteme setzen.

Laut Staatsanwaltschaft Bochum stehen europaweit 200 Spiele im Verdacht, manipuliert worden zu sein, darunter auch Spiele in der türkischen Süper Lig. 15 Tatverdächtige wurden in Deutschland festgenommen, neun in Italien, zwei in der Schweiz. Insgesamt sind mindestens neun Länder in Europa betroffen.

Fußball / Kriminalität / Wetten / Schweiz
23.11.2009 · 12:44 Uhr
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