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Westerwelle hebt Fischers «Nachruf-Erlass» auf

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Berlin (dpa) - In der Mitarbeiterzeitschrift des Auswärtigen Amtes dürfen verstorbene Diplomaten wieder mit einem längeren Nachruf gewürdigt werden.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hob den «Nachruf-Erlass» wieder auf, mit dem sein grüner Vorgänger Joschka Fischer Ehrungen für Diplomaten mit Nazi-Vergangenheit unterbunden hatte. Ein Ministeriumssprecher bestätigte am Dienstag einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Für Mitglieder von Nazi-Organisationen wie SA, SS oder NSDAP soll es allerdings weiter keine Nachrufe geben.

Die Neuregelung wurde nach der Veröffentlichung einer Historikerstudie bekannt, die sich mit der NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes beschäftigt. Auslöser für die Einsetzung der Kommission war vor fünf Jahren die Tatsache, dass in der Mitarbeiterzeitschrift «Intern AA» auch ehrende Nachrufe für Botschafter standen, die eine braune Vergangenheit hatten. Fischer setzte dieser Praxis ein Ende. Seither wurde der Tod von AA- Mitarbeitern nur noch kurz vermeldet.

Westerwelle ordnete nun an, dass es wieder längere Nachrufe geben darf. Für AA-Mitarbeiter, die nach 1928 geboren wurden, ist eine «persönliche Würdigung» grundsätzlich wieder möglich. Ansonsten ist dies nur nach einer genaueren Prüfung des Lebenslaufes erlaubt. Wer als Erwachsener Mitglied in Nazi-Organisationen war, erhält nach Ministeriumsangaben «in der Regel» keinen Nachruf.

Die Änderung ist bereits seit Februar in Kraft. Seither wurde noch kein Diplomat des Jahrgangs 1928 oder früher geehrt. Ein Ministeriumssprecher betonte, dass es sich zunächst nur um eine «Übergangsregelung» handele. Nach der offiziellen Vorstellung der Studienergebnisse soll die Praxis nochmals überprüft werden.

Die Kommission legt an diesem Donnerstag ihren Abschlussbericht vor. Nach ihren Ergebnissen war das Auswärtige Amt im Dritten Reich viel stärker an der systematischen Verfolgung und Ermordung von Juden beteiligt als allgemein bekannt. Zudem kam heraus, dass im Außenministerium nach 1945 erheblicher Aufwand betrieben wurde, um die eigene Nazi-Vergangenheit zu vertuschen.

Geschichte / Nationalsozialismus
26.10.2010 · 18:37 Uhr
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