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Wenn Mehmet und Ayse Lukas und Leonie mobben

Rütli-HauptschuleGroßansicht

Berlin (dpa) - Werden deutsche Schüler als Minderheit an Brennpunktschulen systematisch gemobbt? Mag schon sein, sagen Lehrer und Forscher. Grund sei aber nicht der kulturelle Hintergrund, sondern die fehlende Perspektive etwa muslimischer Schüler.

Viele Schüler kennen das: Der Weg zur Schule, die Pause oder der Sportunterricht werden zur Qual. Der Grund: die Mitschüler. Heute nennt man es Mobbing, aber Hänseln und Schikanieren gab es unter Schülern schon immer, sagen Experten. Einige Berliner Lehrer warnten jüngst vor einer neuen Entwicklung. In Problemvierteln von Großstädten würden Schüler deutscher Herkunft von mehrheitlich muslimischen Mitschülern drangsaliert.

In der Berliner Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) klagten die Pädagogen über «Deutschenfeindlichkeit» - und lösten damit eine Diskussion unter Lehrern, Sozialarbeitern und Forschern aus. «Ich finde die ganze Debatte lächerlich, fast schon peinlich», schimpft Sanem Kleff, Leiterin des bundesweiten Projekts «Schule ohne Rassismus». Tatsache sei: Überall dort, wo es eine Mehrheit gebe, gebe es die Tendenz, die Minderheit zu diskriminieren. Dem müsse man überall entgegentreten. «Menschen sind Individuen und sollten nicht nur als Teil einer Gruppe gesehen werden.»

Das sieht auch Norbert Hocke aus dem Bundesvorstand der GEW so. Er erinnert daran, dass in den 90er Jahren italienische und türkische Schüler von der deutschen Mehrheit gemobbt wurden. «Damals gab es Untersuchungen darüber: Wie fühlt sich die Minderheit? Wie die Mehrheit?» Das fordert Hocke auch heute. Es gelte, Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen.

Der Gewerkschafter warnt davor, den kulturellen Aspekt zu wichtig zu nehmen, Jugendliche gegeneinander auszuspielen. «An solchen Schulen versucht die Mehrheit der Verlierer die Minderheit der Verlierer zu mobben», sagte er. Werde die Diskussion über die Ursachen auf die muslimische Herkunft verkürzt, suchten diese Jugendlichen am Ende womöglich Halt bei religiösen Hardlinern in Moscheevereinen.

Kulturelle Faktoren würden allenfalls eine sekundäre Rolle spielen, meint auch Lothar Drat, Vorsitzender des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden. «90 Prozent der deutschen Kinder würden sich in ähnlicher Situation wahrscheinlich genauso verhalten.» Es gebe allerdings schon Besonderheiten: Wenn perspektivlose Jugendliche kein Deutsch könnten, dann nehme körperliche Gewalt zu. Schüler, die aus dem unteren Drittel der Gesellschaft kämen, wollten damit oft ein Zeichen setzen.

Die Rütli-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln zeigt, dass es auch anders geht - und dass engagierte Lehrer viel bewegen können. Die Schule hatte vor Jahren Aufsehen erregt, als die Lehrer in einem Brandbrief Alarm geschlagen hatte. Heute gilt sie als Modellschule. «Die Schüler dort sind immer noch die gleichen, aber die Lehrer haben ihre Haltung und ihre Programme geändert», sagt Rassismusforscherin Iman Attia von der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Die Schüler seien «nicht per se problematisch». Sie brauchten aber Lehrer, die sie wahrnähmen und ihnen Chancen aufzeigten.

Schule ohne Rassismus

GEW

Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing

Bildung / Schulen
07.10.2010 · 12:18 Uhr
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