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Weltweit Verunsicherung über Billig-Brustimplantate

Optische Sichtkontrolle bei einem nicht von den Vorwürfen betroffenen deutschen Hersteller von Brustimplantaten. Foto: Boris RoesslerGroßansicht

Sydney/Bonn/Brüssel (dpa) - Im Skandal um minderwertige Brustimplantate kommen mehr Details ans Licht. Doch die Konsequenzen der Staaten sind unterschiedlich - das könnte noch mehr Frauen verunsichern.

Die einen raten gleich zum Entfernen der Silikonkissen, die anderen setzen auf telefonischen Rat: Die australischen Behörden haben Frauen mit Billig-Brustimplantaten empfohlen, sich bei einer Hotline zu informieren. Gesundheitsministerin Nicola Roxon betonte am Samstag aber, dass es kein deutlich erhöhtes Risiko durch die Silikonkissen aus Frankreich gebe. Sie wiesen nicht häufiger Risse auf als andere Implantate. Ähnlich hatte sich zuvor auch Großbritannien geäußert.

Deutschland hat dagegen inzwischen klare Konsequenzen gezogen: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) riet am Freitag den betroffenen Frauen, sich die Implantate herausoperieren zu lassen. Denn auch ohne Risse könnte gesundheitsgefährdendes Silikon austreten. Experten sprechen dabei von «Ausschwitzen».

«Wir wissen jetzt, dass das Ausmaß des Ausschwitzens größer ist als bei anderen Implantaten», erläuterte BfArM-Sprecher Maik Pommer am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Dies hätten Meldungen von Ärzten seit Anfang Januar gezeigt. «Das Silikon tritt aus, obwohl die Hülle intakt ist.» Dieses Phänomen komme auch bei anderen Implantaten vor - «aber nicht in diesem Ausmaß». Bei den Produkten aus Frankreich nehme das Problem mit dem Alter der Implantate zu.

Weltweit sollen zwischen 400 000 und 500 000 Frauen mit minderwertigen Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) operiert worden sein. Die Vermarktung, den Vertrieb und die weitere Verwendung der Brustimplantate hatte Frankreich PIP bereits im April 2010 europaweit untersagt.

In Belgien gaben bislang rund 100 Frauen an, dass ihnen diese Silikonkissen eingepflanzt worden waren, wie die Zeitung «Le Soir» berichtete. In drei Fällen traten nach offiziellen Angaben Risse auf.

Auch Frankreich und Tschechien hatten Frauen dazu aufgerufen, die Implantate entfernen zu lassen. Ein Zusammenhang zwischen den Silikonkissen und Krebs wird befürchtet, bewiesen ist er aber nicht.

Wie viele Frauen in Deutschland die Empfehlung betrifft, ist laut BfArM (Bonn) noch unklar. Bundesweit wurden bislang 19 Fälle von gerissenen Implantaten bekannt, aber im Gegensatz zu Frankreich keine Krebserkrankungen. «Wie dringend eine Entnahme im Einzelfall ist, hängt wesentlich davon ab, wie lange die Patientin das Implantat bereits trägt», sagte der Präsident des BfArM, Walter Schwerdtfeger. Dies sollte vor jeder Operation mit dem Arzt besprochen werden.

Kriminalität / Gesundheit / Frankreich / Deutschland
07.01.2012 · 16:40 Uhr
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