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Weltweit Empörung über Blutbad in Pakistan

Ein Opfer wird geborgen.Großansicht
Islamabad/Washington/Berlin (dpa) - Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag mit mindestens 95 Toten auf eine Sportveranstaltung in Pakistan haben die Behörden nach eigenen Angaben erste Spuren der Täter.

«Der Anschlag wurde von Militanten aus der Region ausgeführt», sagte ein Sprecher im Distrikt Lakki Marwat, der an die Taliban-Hochburg Süd-Waziristan grenzt, am Sonntag. Einzelheiten nannte er nicht. Örtliche Medien berichteten derweil, die Zahl der Toten sei auf bis zu 105 gestiegen. Mindestens sechs Menschen starben bei zwei neuen Anschlägen am Sonntag.

Der Anschlag vom Neujahrstag löste international Empörung aus. Die USA, die EU und Deutschland verurteilten den Terrorakt am Rande eines Volleyball-Spiels in der unruhigen Nordwest-Grenzprovinz. Das Attentat war das schwerste in Pakistan seit gut zwei Monaten und eines der blutigsten der vergangenen Jahre. Die Täter hatten ihr Bombenauto während des Spiels zur Explosion gebracht. Nach Medienberichten sind unter den Toten zahlreiche Kinder. Dutzende Menschen wurden verletzt.

Ein ehemaliger Minister der Nordwest-Grenzprovinz, Ghani-ur- Rehman, starb am Sonntag bei einem neuen Attentat. Auch drei seiner Leibwächter kamen ums Leben, als ihr Wagen von einer ferngezündeten Bombe in die Luft gesprengt wurde. Der Anschlag ereignete sich nahe der Stadt Hangu 100 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Peshawar. Fünf Menschen wurden verletzt.

Zwei weitere Menschen starben und vier wurden verletzt, als ihr Auto im Bezirk Bajaur in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan am Sonntag in eine Sprengfalle fuhr. Unter den Opfern waren Stammesältere, die die Armee durch die Schaffung einer Miliz im Kampf gegen die Taliban unterstützen wollten. Nach intensiven Kämpfen gegen Aufständische in Bajaur hätte das Militär vor einem Jahr verkündet, es habe gesiegt. Doch seither gibt es weiter sporadische Zusammenstöße mit den Aufständischen.

Unterdessen wurden am Sonntag im Westen Pakistans beim Angriff einer unbemannten US-Drohne zwei Menschen getötet. Wie der pakistanische Sender Geo-TV berichtete, wurde das Haus eines bekannten militanten Islamisten in Nord-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan von einer Rakete getroffen. Zwei Extremisten seien dabei ums Leben gekommen, hieß es. Das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet dient radikalislamischen Taliban und den mit ihnen verbündeten El-Kaida- Kämpfern als Rückzugsgebiet.

US-Außenministerin Hillary Clinton versicherte in einer Erklärung, Washington werde weiter an der Seite Pakistans stehen. Die USA unterstützten die Pakistaner bei ihren Anstrengungen im Kampf gegen Extremisten und bei der Stärkung der Demokratie. Die EU- Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich schockiert: «Dieser schändliche Angriff ist ein weiteres Beispiel für die abscheuliche Gewalt, unter der Pakistan und seine Bevölkerung leiden.» Zugleich bekräftigte die EU ihre Unterstützung der Regierung und der Bevölkerung Pakistans. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, solche Terrorakte zeigten, wie notwendig regionale Zusammenarbeit und ein entschlossenes Vorgehen gegen Terrorismus seien.

Polizeisprecher Mohammad Ayub Khan sagte, die Terroristen seien mit zwei Fahrzeugen in das Dorf Sha Hassan Khel gekommen. Ein blauer Lieferwagen sei auf den gut besuchten Sportplatz gefahren und dort explodiert. Hunderte Menschen drängten sich zu dem Zeitpunkt am Rand des Spielfelds. Durch die Wucht der Explosion wurden mehrere umstehende Gebäude schwer beschädigt, drei Geschäfte wurden zerstört. Der zweite Wagen habe unmittelbar danach das Dorf wieder verlassen.

In den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan führt das pakistanische Militär seit Mitte Oktober ein Großoffensive gegen Taliban-Kämpfer und El-Kaida-Terroristen. Dabei wurden nach Angaben der Armee bislang mehr als 600 Extremisten getötet. Im Gegenzug verüben Aufständische landesweit immer wieder blutige Anschläge gegen Sicherheitskräfte wie zivile Ziele, bei denen in den vergangen zwei Monaten mehr als 500 Menschen ums Leben kamen.

Konflikte / Pakistan
03.01.2010 · 18:00 Uhr
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