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Weltfrauentag: Forderung nach Frauenquote

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Berlin (dpa) - Zum 100. internationalen Frauentag sind Forderungen nach einer Quote von Frauen in Spitzenpositionen wieder laut geworden. SPD-Vizechefin Manuela Schwesig regte am Dienstag eine Quote von «40 Prozent Frauen für Vorstände und Aufsichtsräte» an.

Familienministerin Kristina Schröder und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich gegen gesetzliche Quoten ausgesprochen. Bei einem Spitzentreffen am 30. März wollen Politik und Wirtschaft Wege zu einem höheren Frauenanteil in Führungsgremien ausloten.

An dem Treffen sollen Vertreter der 30 im DAX notierten Konzerne teilnehmen, bestätigte eine Sprecherin des Familienministeriums am Dienstag in Berlin einen Bericht der «Passauer Neuen Presse». Gastgeber sind Familienministerin Schröder, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (beide FDP).

Schwesig kritisierte in den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» (Dienstag), freiwillige Vereinbarungen hätten «zu nichts geführt». Arbeitsministerin von der Leyen nannte es in NDR Info blamabel, dass Deutschland mit nur drei Prozent Frauen in den Vorständen «hinter China, hinter Brasilien, hinter Russland, auf Augenhöhe mit Indien» stehe. «Frauen sind nicht besser, sie sind einfach anders», erklärte sie. Frauen seien «nicht so risikofreudig wie Männer» und legten «mehr Wert auf soziale, emotionale Kompetenz».

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte angesichts des 100. internationalen Frauentages neben einer verpflichtenden Frauenquote in Unternehmen, Vorständen und Aufsichtsräten auch gleichen Lohn für gleiche Arbeit. «In den vergangenen 100 Jahren konnten die Frauen Vieles erreichen - vom Ziel der echten Gleichstellung sind wir aber noch immer ein beträchtliches Stück entfernt», sagte die stellvertretende Vorsitzende Margret Mönig-Raane.

Die Spitzenverbände der Wirtschaft hatten 2001 mit der rot-grünen Bundesregierung eine «Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern» getroffen - ohne sichtbare Erfolge. Ministerin Schröder bekräftigte in den «Stuttgarter Nachrichten», dass sie gegen eine Zwangsquote sei. Eine Einheitsquote «ignoriere den unterschiedlichen Frauenanteil in der Branche, ist ordnungspolitisch falsch und verfassungsrechtlich bedenklich».

Schröder hatte einen «Stufenplan» angekündigt, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Nach früheren Angaben will sie eine «gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung», wenn es bis 2013 nicht gelungen ist, den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen zu verdreifachen. Dies würde bedeuten, dass jedes Unternehmen Quoten vorlegen und diesen Anteil innerhalb einiger Jahre erreichen muss.

Nach einer Studie sind Kinder für Managerinnen keine Belastung: In einer Befragung der Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Ruth Stock-Homburg von der Technischen Universität Darmstadt meinten zwar knapp zwei Drittel der befragten weiblichen Führungskräfte, Kinder seien für die Karriere ein Hindernis. Tatsächlich sei die Lebenszufriedenheit von weiblichen Führungskräften mit und ohne Kinder aber ähnlich hoch. Familie mache zwar Arbeit, Kinder erleichterten aber das Abschalten zu Hause. Für die Studie wurden 183 Frauen in Führungspositionen deutscher Unternehmen befragt.

Gesellschaft / Frauen
08.03.2011 · 16:12 Uhr
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