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Welchen Euro-Ländern droht auch eine Schuldenkrise?

Brüssel (dpa) - Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens wächst im Eurogebiet die Sorge, dass die griechische Schuldenkrise weitere Mitgliedstaaten in ihren Strudel zieht. Experten nennen diese Ländergruppe PIIGS (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien).

Die Bezeichnung ist wenig schmeichelhaft, denn sie erinnert an das englische Wort für Schwein, pig. Dazu gesellt sich noch Belgien, das von einer schweren Staatskrise erschüttert wird.

PORTUGAL: Die sozialistische Regierung will an Glaubwürdigkeit gewinnen und ihr Sanierungsprogramm schneller umsetzen als bisher geplant. Das Staatsdefizit hatte sich im vergangenen Jahr auf 9,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) mehr als verdreifacht. Im laufenden Jahr soll es nach Plänen Lissabons auf 8,5 Prozent sinken. Die Staatsschuld lag 2009 bei 76,8 Prozent. Portugal hat ein schwaches Wirtschaftswachstum und verliert an Wettbewerbsfähigkeit.

ITALIEN: Die gesamtstaatliche Verschuldung ist in Italien ein Dauerproblem; sie lag im vergangenen Jahr bei knapp 116 Prozent vom BIP und damit auf Griechenland-Niveau. Besserung ist für die nächsten Jahre nicht in Sicht. Das Defizit betrug im vergangenen Jahr 5,3 Prozent und soll in den Folgejahren wieder zurückgeführt werden. Die Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit Roms bisher nicht herab.

IRLAND: Der von der Bankenkrise schwer getroffene Inselstaat kam im vergangenen Jahr auf ein höheres Defizit als Griechenland: 14,3 Prozent. Doch hat die Regierung bereits ein strammes Sparpaket aufgelegt und auch nicht bei den Verschuldungszahlen getrickst wie Griechenland es tat. Nach Vorgaben der EU muss Irland seine Defizitquote in den kommenden Jahren kräftig senken. Die gesamtstaatliche Verschuldung, die 2009 bei 64 Prozent lag, wird nach Prognosen Dublins in den kommenden Jahren aber weiter wachsen.

GRIECHENLAND: Die Schuldenkrise in Athen stürzte die Eurozone in ihre bisher größten Turbulenzen. Der Schuldensünder kam im vergangenen Jahr auf ein Defizit von 13,6 Prozent. Laut EU-Vorgabe muss der Anteil im laufenden Jahr um vier Prozentpunkte sinken. In Athen verhandeln Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank über einen Rettungsplan. Die Euro-Länder wollen im ersten Jahr bis zu 30 Milliarden Euro Kredite geben, der IWF bis zu 15 Milliarden Euro. Die Staatsschuld von 115 Prozent vom BIP (2009) soll nicht weiter wachsen.

SPANIEN: Die Bewertungsagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit des Landes am Mittwoch herunter. Das Land leidet unter den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, das Platzen einer Immobilienblase kostete viele Jobs. Das Defizit stieg im vergangenen Jahr sprunghaft auf 11,2 Prozent und soll in Zukunft wieder zurückgehen. Die gesamtstaatliche Verschuldung lag bei 53,2 Prozent und damit innerhalb des Maastrichter Grenzwertes von 60 Prozent.

BELGIEN: Beobachter befürchten, dass Belgien wegen seiner Regierungs- und Staatskrise in das Visier der Finanzmärkte geraten könnte. Wie in Italien ist die Staatsverschuldung ein traditionelles Problem: sie belief sich im vergangenen Jahr auf knapp 97 Prozent. Das Defizit verfünffachte sich auf 6 Prozent des BIP.

EU / Finanzen / Griechenland
29.04.2010 · 23:15 Uhr
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