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Weiter Stille am Himmel - mit kleinen Ausnahmen

Niki Lauda nach einem erfolgreichen Testflug.Großansicht
Hamburg (dpa) - Das Chaos im europäischen Luftverkehr dauert an. Die Asche des Vulkans am isländischen Eyjafjalla-Gletscher hielt am Sonntag tausende Flugzeuge am Boden. Auch in den kommenden Tagen müssen Fluggäste mit massiven Behinderungen rechnen.

Airlines dringen zwar auf eine Öffnung der Flughäfen. Testflüge seien problemlos verlaufen. Flugsicherung, Politiker und Meteorologen setzen jedoch auf Nummer sicher. Und der Vulkan spuckt weiter Asche.

«Sicherheit muss höher gewichtet werden als Geschäftsinteressen», sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Sonntagabend in München. «Solange noch Zweifel an der Sicherheit des Luftverkehrs bestehen, werde ich keine Flugfreigabe erteilen.»

In Hannover landete unterdessen die erste Passagiermaschine seit dem Beginn der Flugverbote wegen der Aschewolke. An Bord waren 165 Urlauber, wie der Reiseveranstalter Tui mitteilte. Sie kamen aus Gran Canaria und hatten eigentlich mit dem Bus aus Portugal 30 Stunden bis nach Hause fahren sollen. Dann kam die überraschende Meldung: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hob das Flugverbot auf einigen Flughäfen am Sonntag für einige Stunden auf. So konnte diese Maschine als einzige von TUI-fly am Sonntag in Deutschland landen.

Die Lufthansa, ihr größter deutscher Wettbewerber Air Berlin und andere Fluggesellschaften erklärten nach Testflügen, diese seien ohne Probleme verlaufen. Die Aschewolke gefährde Flugzeuge nicht: «Wir sollten den Betrieb möglichst schnell wieder aufnehmen und losfliegen», sagte der Flottenchef von Lufthansa Cargo, Fokko Doyen, am Sonntagabend. Er hatte einen von vier Frachtflügen mit einer Sondergenehmigung aus Istanbul nach Frankfurt geflogen.

Die DFS ließ am Sonntag jedoch nur für wenige Stunden eingeschränkt Flüge von ausgewählten Flughäfen zu. Auf dem größten deutschen Airport in Frankfurt, wo normalerweise täglich 1300 Starts und Landungen gezählt werden, hoben nach Angaben der Betreibergesellschaft Fraport lediglich sechs leere Maschinen ab. Zudem habe es 16 Landungen gegeben. «Es hat sich dabei um Überführungsflüge mit leeren Maschinen gehandelt. Sie gingen alle auf eigene Gefahr», sagte ein Fraport-Sprecher.

In Berlin blieben die Flughäfen bis Mitternacht geöffnet. Anderswo schloss die DFS den Luftraum für Passagiermaschinen wieder. Ähnliches galt auch für die meisten anderen europäischen Länder. Die DFS wollte am Montagmorgen über weitere Schritte entscheiden. Die Experten befürchten gefährliche Schäden an Triebwerken und Scheiben der Flugzeuge, wenn diese durch die Aschewolke fliegen. Deshalb liegt der Flugverkehr in weiten Teilen Europas seit Donnerstagabend lahm.

Die deutschen Flughäfen forderten eine europaweite Abstimmung bei der Krisenbewältigung. «Es ist dringend erforderlich, dass europaweit geltende Lösungen gefunden werden. Die deutschen Flughäfen erwarten von den europäischen Verkehrsministern, dass sie sich umgehend auf einheitliche Verfahren bei der Sperrung des Luftraums verständigen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel. An diesem Montag wollen die EU-Verkehrsminister per Videokonferenz über die Lage beraten.

Die Branche verbucht mit jedem Tag ohne Flüge Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Auch der Nachschub mit manchen eiligen oder verderblichen Waren ist gestört. Sportveranstaltungen fallen aus, weil die Athleten nicht zu den Wettkampfstätten kommen. Auch bei der Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria fehlten wegen des Chaos viele Staatsgäste, darunter US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In Athen wurden wichtige Beratungen zur Schuldenkrise abgesagt.

Merkel kehrte am Sonntag nach einer längeren Odyssee quer durch Europa nach Berlin zurück. Die Kanzlerin hatte auf dem Rückweg von ihrer USA-Reise zunächst in Lissabon und dann in Rom Station machen müssen. Als sie am Samstag per Limousine nach Südtirol weiterreiste, hielt die Reifenpanne eines Busses die Delegation auf. Für die Bundesregierung fuhren Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zur Trauerfeier nach Polen.

Die Bundesregierung rechnet mit weiteren Behinderungen des Flugverkehrs. Ramsauer sagte, er sehe bei den Luftraum-Sperrungen wenig Spielraum für die Regierung. Berlin sei wie andere europäische Regierungen an das internationale Regelwerk bei großen Vulkanausbrüchen und die Einschätzungen des Volcanic Ash Advisory Centre in London gebunden. «Wenn das ausgestanden ist, müssen wir aber überprüfen, ob die geltenden Regelungen noch zeitgemäß sind», sagte der Minister.

In der Transitzone des Frankfurter Flughafens harrten hunderte Passagiere aus, viele ohne Visum für Deutschland. Ihnen bot der Flughafenbetreiber Fraport neben Essen, Trinken und Waschzeug auch Kinofilme und Flughafenrundfahrten an. Insgesamt 1400 Feldbetten standen für Reisende bereit, die am Airport übernachten mussten.

In ganz Europa versuchten Reisende, mit der Bahn oder Mietwagen weiterzukommen. Auch Taxis wurden für grenzüberschreitende Langstrecken gechartert. Pech hatten einige Zugreisende am Samstagnachmittag: Ein ICE-Unfall legte die wichtige Bahnachse zwischen Frankfurt und Köln lahm. Einige gestrandete Fluggäste klagten zudem über stark erhöhte Hotelpreise.

Vulkane / Luftverkehr / Island
18.04.2010 · 22:10 Uhr
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