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Weiter Schnee-Chaos - Sorge vor zu weißer Weihnacht

Flüge nach Frankfurt werden am Montag in Berlin-Tegel als gestrichen angezeigt.Großansicht

Berlin/Frankfurt/Main (dpa) - Es wird knapp: Kurz vor Heiligabend ist unsicher, ob das Winterchaos vielen Reisenden die Feiertage verdirbt. Tausende Menschen saßen heute weiter auf Flughäfen in Europa oder überfüllten Bahnsteigen fest.

Vor allem an den Luftfahrtdrehkreuzen blieb die Lage so angespannt, dass die EU-Kommission die Flughafenchefs zum Rapport einbestellte. Bei Unfällen an verschneiten Gleisen in Deutschland starben bisher vier Menschen. Die gute Nachricht: Die Chancen auf Weiße Weihnachten sind groß.

In den vergangenen drei Wochen seien in der EU 1,6 Millionen Passagiere gestrandet, teilte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mit. Rund 1000 Flüge fielen allein heute wegen Schnee und Eis aus. «London und Frankfurt sind von den Wetterproblemen am stärksten betroffen», hieß es. Am Montag starteten und landeten Eurocontrol zufolge lediglich gut 23 000 Flugzeuge - 3000 weniger als in der Woche zuvor.

Am Flughafen Frankfurt wurden heute mindestens 300 Flüge gestrichen. Über Stunden war am wichtigsten deutschen Luftfahrtdrehkreuz nur eine der drei Start- und Landebahnen freigegeben, weil es heftig schneite. Zwischen dem Betreiber Fraport und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) entbrannte ein Streit darüber, ob der neue Schnee rechtzeitig vorhergesagt wurde oder nicht.

Der größte europäische Flughafen London-Heathrow war am vierten Tag in Folge weitgehend lahmgelegt, in den fünf Terminals herrschte erneut Chaos. Nur 30 Prozent der Flüge konnten abgewickelt werden. Noch heute soll aber die zweite Landebahn wieder geöffnet werden, kündigte Premierminister David Cameron an. Die britische Regierung habe das Nachtflugverbot gelockert.

Auf dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle kam es ebenfalls zu zahlreichen Verspätungen, ebenso auf dem internationalen Flughafen Brüssel-Zaventem in Belgien. Das Chaos in Frankfurt und London zog im Schneeball-Effekt auch andere Flughäfen in Mitleidenschaft. «Die Lage ist wie gestern: Bei uns läuft alles ganz normal, die Probleme liegen an den Zielflughäfen», sagte eine Sprecherin des Hamburger Flughafens. Ähnlich war die Lage in München.

Angesichts des Flugchaos' in Europa hat die EU-Kommission die Flughafen-Chefs einbestellt. «Diese Situation ist inakzeptabel und darf nicht wieder vorkommen», griff EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel die Airports an. Er kritisierte die schlechte Organisation der Flughäfen. In den kommenden Tagen erwarte er vom Treffen mit Verantwortlichen aus ganz Europa Erklärungen und Pläne, um Abhilfe zu schaffen. Falls die Branche das Problem allein nicht lösen könne, drohte Kallas mit europäischen Vorgaben: «Ich stehe bereit dafür.»

Etwas Erleichterung gab es auf der Schiene. Bahnfahrer müssen sich wegen des Winterwetters zwar weiter auf Verspätungen einstellen. Heute habe es aber keine Zugausfälle mehr gegeben, sagte ein Bahnsprecher am Vormittag in Berlin. «Die Züge sind gut gefüllt, aber nicht an der Kapazitätsgrenze.» Zu den Weihnachtstagen will die Bahn auf wichtigen Routen im Nord-Süd- und Ost-West-Verkehr mehr Züge einsetzen. Sie reagiert damit auf den starken Zustrom von Reisenden, die von Auto und Flugzeug auf die Bahn umsteigen. Dazu werden am Mittwoch die Fahrpläne für wichtige Fernverkehrsverbindungen ergänzt.

Allerdings ereigneten sich auch weitere Unfälle an Gleisen: In Köln-Mülheim erfasste eine Regionalbahn in der Nacht eine Gruppe von Gleisarbeitern. Ein 40-Jähriger und ein 41-Jähriger kamen ums Leben. Warum die Arbeiter den nahenden Zug nicht wahrnahmen, war zunächst unklar. In Wunstorf bei Hannover wurde ein Bahnarbeiter von einem ICE erfasst und getötet. In Berlin war bereits am Sonntag ein Arbeiter beim Enteisen von Gleisen von einer S-Bahn erfasst und getötet worden.

Zu einem tragischen Unfall kam es auch in Steinbach-Hallenberg in Südthüringen: Beim Bauen eines Iglus im Garten wurde ein 14-Jähriger unter zwei Meter hohen Schneemassen begraben. Er starb im Krankenhaus. Der Großvater hatte seinen leblosen Enkel gefunden.

Auf den Straßen entspannte sich die Situation etwas, Autobahnen und Hauptstraßen waren vielfach wieder frei. In vielen Regionen wurden aber neue Schneefälle erwartet. Die Rufe nach politischen Konsequenzen wurden unterdessen lauter. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte ein winterliches Tempolimit für Lastwagen, außerdem müsse in den Wintermonaten ein generelles Lkw-Überholverbot gelten. Das Bundesverkehrsministerium in Berlin lehnte das ab. Hessens Verkehrsministers Dieter Posch (FDP) plädierte für eine Nachbesserung bei der Winterreifenpflicht für Autos.

Ob die weiße Pracht auch an Heiligabend ganz Deutschland schmückt, war heute noch nicht ganz sicher - aber sehr wahrscheinlich. «Nach heutiger Sicht wird es beim Gang zur Kirche an Heiligabend in den meisten Gebieten weiß sein», sagte Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Wetter / Verkehr / Luftverkehr
21.12.2010 · 21:19 Uhr
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