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Weichsel überflutet Land bei Warschau

Die Weichsel hat nach einem Deichbruch nordwestlich von Warschau 18 polnische Ortschaften überflutet.Großansicht
Warschau (dpa) - Das Hochwasser in Polen ist besonders an der Weichsel schlimmer als erwartet. Dort und auch an der Oder kämpften Tausende von Menschen am Montag gegen die Flut. Sie versuchten, gebrochene Dämme wieder zu schließen und die Wassermassen von ihren Häusern fernzuhalten.

Nach Angaben der Behörden starben in Polen bisher mindestens 15 Menschen durch die Flut. Brandenburg blieb über Pfingsten von den anrollenden Fluten der Oder noch weitgehend verschont: Für den Oberlauf des Flusses war am Montag die niedrigste Alarmstufe 1 ausgerufen.

Voraussichtlich am Mittwoch werden in Ratzdorf und Eisenhüttenstadt die Richtwerte der Alarmstufe 2 erreicht. Der Hochwasserscheitel soll gegen Ende der Woche in Brandenburg ankommen. Es wird damit gerechnet, dass sich die Wasserstände dann für einige Tage oberhalb der Richtwerte der zweithöchsten Alarmstufe 3 einpendeln.

In Polen dagegen waren Dutzende von Ortschaften überflutet. Die Hochwasserlage an der Weichsel nordwestlich der Hauptstadt Warschau verschärfte sich am Montag weiter. Die Behörden appellierten, gefährdete Häuser rechtzeitig zu verlassen. Am linken Ufer der Weichsel bei Plock nordwestlich von Warschau wurden am Pfingstwochenende mehr als 20 Orte und viele Tausend Hektar Land überflutet. Rund 2000 Feuerwehrleute, Soldaten und zivile Helfer versuchten, einen Riss im Deich wieder abzudichten.

Dutzende Tonnen Schutt, aus der Luft abgeworfen, konnten die Wassermassen zunächst nicht stoppen. Tausende Menschen und Tiere mussten deshalb in Sicherheit gebracht werden. Um weitere Orte zu schützen, sprengte die Feuerwehr an einigen Stellen die Deiche, teilte ein Sprecher des Krisenstabes mit. Die Weichsel soll so dazu gebracht werden, in ihr Flussbett zurückzukehren. Die Situation an der Weichsel sei schlimmer als erwartet, sagte Innenminister Jerzy Miller.

Auch südlich von Warschau blieb die Lage an dem Fluss stellenweise dramatisch. Die Gemeinde Wilkow stand von Samstag an zu 90 Prozent unter Wasser. Wie auch nahe Plock wollten viele Menschen aus Angst vor Einbrüchen ihre Häuser aber nicht verlassen.

Unter Wasser standen auch Teile des Breslauer Stadtteils Kozanow. Mehrere zehnstöckige Wohnblocks und Einfamilienhäuser waren dort am Samstag nach Deichbrüchen bis zu zwei Meter hoch überflutet worden. Nun sei die Lage unter Kontrolle, sagte ein Feuerwehrsprecher am Montag.

Das Hochwasser in Kozanow löste eine heftige Debatte aus: Die Fläche des Stadtteils war lange als Polder genutzt worden. Erst in den 1970er Jahren wurde sie bebaut. Kozanow hatte bereits während der Flut 1997 schwer zu leiden - trotzdem wurden dort anschließend weitere Hochhäuser gebaut.

In Polens Hauptstadt selbst sank am zweiten Tag in Folge der Wasserstand. Allerdings bestand weiter die Gefahr, dass die durchweichten Deiche nachgeben. 120 Schulen und Kindergärten blieben daher geschlossen, eine sonst vielbefahrene Straße am rechten Ufer gesperrt.

Nach Angaben des Hydrometeorologischen Instituts in Warschau (IMGW) bewegt sich der Hochwasserscheitel auf der Oder langsamer als erwartet. In Slubice an der deutsch-polnischen Grenze sei er erst am 28. Mai zwischen 22 und 24 Uhr zu erwarten, hieß es.

Im Süden Polens begann unterdessen das große Aufräumen. Die Schäden könnten nach offiziellen Schätzungen mehr als zehn Milliarden Zloty (rund 2,5 Milliarden Euro) betragen. Vielerorts kam es zu Erdrutschen, etliche Häuser, etwa in Lanckorona südlich von Krakau, sind einsturzgefährdet. Über Bierun in Schlesien hänge der Gestank verwesender Tiere, schrieb die Zeitung «Gazeta Wyborcza».

Brandenburg / Hochwasser
24.05.2010 · 19:04 Uhr
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