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Wehrbeauftragter: Soldaten zu wenig anerkannt

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Berlin (dpa) - Die Arbeit von deutschen Soldaten im Ausland wird nach Ansicht des Wehrbeauftragten im Bundestag, Reinhold Robbe, von der Bevölkerung noch immer nicht ausreichend anerkannt. Gerade schwer traumatisierten Heimkehrern müsste aber das Gefühl gegeben werden, gebraucht zu werden.

Bei einer Diskussionsrunde am Mittwoch mit Bundeswehr-Experten und Betroffenen in Berlin wünschte sich Robbe einen «positiven Patriotismus» der Deutschen, der beispielsweise in einem jährlichen bundesweit organisierten Gottesdienst für die gefallenen Soldaten Ausdruck finden könnte. Erst am Dienstag waren drei Deutsche in Nordafghanistan während eines Gefechts mit Aufständischen umgekommen.

Die Zahl der Soldaten, die mit einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) von Einsätzen zurückkamen, sei stark angestiegen, sagte Robbe. Insgesamt suchten im vergangenen Jahr 245 Betroffene wegen des «Rückkehrer-Syndroms», wie PTBS auch genannt wird, Hilfe von Experten der Bundeswehr. 2006 waren es nur 83 Patienten. Auslöser für die Störung kann eine außergewöhnliche Bedrohung wie ein Anschlag oder Unfall sein. Symptome sind unter anderem Schlaflosigkeit, Unruhe, Albträume und Reizbarkeit.

Die Dunkelziffer der Betroffenen liegt nach Überzeugung des Wehrbeauftragten jedoch wesentlich höher, weil psychische Erkrankungen mit «einem Tabu belegt» seien und sich die Soldaten schämten, offen über ihre Erkrankung zu sprechen oder sich an Experten zu wenden.

Zuvor hatte der Tod der deutschen Soldaten eine neue Debatte über Strategie und Bewaffnung der Bundeswehr am Hindukusch ausgelöst. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte: «Wer uns angreift, der wird auch bekämpft.» Vor allem in der Umgebung der nordafghanischen Stadt Kundus sei die Lage kritisch. Die Zunahme der Angriffe stehe offenbar in Zusammenhang mit der afghanischen Präsidentschaftswahl am 20. August, richte sich aber auch an die Öffentlichkeit in Deutschland, sagte der Minister.

Die aus Ostdeutschland stammenden Soldaten waren in den Standorten Bad Salzungen und Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) stationiert. Ein 23 Jahre alter Hauptgefreiter komme aus Brandenburg, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam mit und bestätigte Informationen der «Bild»-Zeitung. Bei den anderen beiden Soldaten handele es sich um einen 23 Jahre alten Obergefreiten aus Sachsen-Anhalt und eine 21-jährigen Hauptgefreiten aus Thüringen.

Jung wandte sich erneut dagegen, von einem «Krieg» zu reden. Ziel des Bundeswehreinsatzes sei es, neben der Herstellung militärischer Sicherheit den Wiederaufbau und die Entwicklung Afghanistans zu fördern. «Wir sind dort keine Besatzer.» Leider gebe es «Situationen, wo unsere Soldaten auch kämpfen müssen», sagte der Minister im ZDF. Der Kampf werde aber nicht gesucht.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und frühere Verteidigungsminister Peter Struck sprach von einem «Krieg mit dem Terrorismus». «Die Kanzlerin muss den Menschen sagen: "Es ist ein Einsatz, bei dem Menschen getötet werden können und dass wir uns in einem Krieg mit dem Terrorismus, vertreten durch die Taliban, befinden"», so Struck.

Internet: www.angriff-auf-die-seele.de

www.ptbs-hilfe.de

Verteidigung / Bundeswehr
25.06.2009 · 09:42 Uhr
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