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«Warum gerade Robert?» - Enkes Tod schockt Fans

Trauer um Robert EnkeGroßansicht
Hannover (dpa) - Fassungslosigkeit, tiefe Bestürzung, Entsetzen - auch am Tag nach dem Selbstmord von Robert Enke ist die Trauer der Fußball-Fans bei Hannover 96 über den Verlust ihres «Helden» maßlos.

Viele fanden auch am Mittwoch keine Worte, andere lagen sich weinend in den Armen und ließen ihren Tränen freien Lauf. «Doch nicht Robert, nicht er. Warum nur ist das geschehen», fragte sich nicht nur Dietmar Fricke. Er war gemeinsam mit seinem Bruder Dierk wie hundert anderer Fans nach dem Selbstmord des Nationaltorwarts zum Stadion in Hannover geeilt, um seiner Anteilnahme Ausdruck zu verleihen.

Dauerregen und Kälte zum Trotz: Schon in den frühen Morgenstunden pilgerten hunderte 96-Anhänger zur AWD-Arena, legten Blumen und 96-Fanschals nieder, zündeten Kerzen an, formten mit Teelichtern eine 96 und den Namen Enke. Sie legten Briefe mit Grußbotschaften an den Toten nieder. «Du wirst immer unsere Nummer eins sein», «In Gedenken an einen großen Mann, dessen Ende unfassbar ist», war unter anderem zu lesen. Die Ruhe vor der Arena war manchmal schon fast gespenstisch. Die 96-Fahne wehte auf halbmast, ein vom Verein ausgelegtes Kondolenzbuch füllte sich schnell.

Auf dem Spielfeld jubelten Enke Zehntausende zu - doch in den letzten Minuten seines Lebens war er ein einsamer Mensch. Am Tag nach seinem Selbstmord lagen zehn Rosen und ein Fanschal an dem Feldweg im Örtchen Eilvese nordwestlich von Hannover - dem Unfallort. Keinen Kilometer davon entfernt steht Wolfram Becker an der S-Bahnstation Eilvese. «Er war wie ein naher Verwandter. Warum gerade Robert? Wir brauchen ihn doch», sagte der 51-Jährige, der seit 25 Jahren eine Dauerkarte für die «Roten» hat. «Ich habe das im Videotext gelesen und immer wieder auf andere Sender geschaltet, weil ich dachte, das kann nur ein übler Scherz sein», sagte Becker, der als Elfjähriger erstmals ins Stadion in Hannover ging.

Keine zwei Stunden habe er geschlafen, berichtete Becker. Morgens fasste er den Entschluss, seinen weißen Gartentisch und ein riesiges Fanbanner ins Auto zu laden und nach Eilvese zu fahren. Dort, am Aufgang zur S-Bahn-Haltestelle, drapierte er das Transparent wie eine Decke auf dem Tisch. «Das soll so eine Art Anlaufstelle werden.»

Zudem stellte Becker Bilderrahmen mit 96-Motiven und einem Foto Enkes auf - die hat er sonst zu Hause stehen. «Erst vor kurzem ist Enke beim Training keine zwei Meter an mir vorbeigegangen. Er war ein Pfundskerl», meinte Becker. Neben seinem Tisch an der Treppe des Bahnsteigs stehen etwa 100 Kerzen. Viele wurden schon am Dienstagabend unmittelbar nach Bekanntwerden der Tragödie abgestellt. Daneben liegen Rosensträuße, Fanschals, Trikots und Stofftiere. Auch ein selbst gemachtes Plakat liegt an der Mauer. «Dem großen Menschen, dem großen Sportler», steht darauf. Ein Foto zeigt einen jubelnden Enke. «Wir werden Dich nie vergessen», ist darunter geschrieben.

Fußball / Enke
11.11.2009 · 23:42 Uhr
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