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Warten und Fluchen auf einem Flughafen ohne Flieger

Flughafen FrankfurtGroßansicht
Frankfurt/Main (dpa) - Schier endlos wirken die Schlangen von Menschen am Freitag in den Frankfurter Flughafenterminals. Sie alle warten - auf einen Weiterflug, eine Information, einen Imbiss, einen Sitzplatz oder wenn es ganz gut läuft auf eine Bahnfahrkarte.

Die meisten zeigen sich geduldig, viele sind aber auch genervt: «Shit happens», flucht Jeff Thompson (28), der nach Amsterdam will und nach eigenen Angaben schon seit 40 Minuten für ein Ticket ansteht.

Quer über den Gang von Terminal 1A nach 1B reihen sich Menschen, Koffer und Rollwagen aneinander. Alle wollen zum Check-In-Schalter ihrer Airline. «Und dann sagen die doch nur, dass sie nicht wissen, wie es weitergeht», schimpft eine Frau. Ab und zu gibt es dann doch eine Ansage, aber hilfreich ist sie nur für einige: Mit einem Megafon geht ein Lufthansa-Mitarbeiter an der Schlange vorbei und schickt alle innerhalb von Deutschland Reisenden zur Bahn. «Sie bekommen ihr Geld zurück.» Doch ein Bahnticket zu ergattern ist ein Kunststück. Denn über 200 Meter lang windet sich die Schlange der Wartenden um die Rolltreppen vor dem Reisezentrum der Deutschen Bahn.

Über gute Geschäfte freuen sich die Mietwagenunternehmen. Sie ziehen so viele Wagen wie möglich am Flughafen zusammen. Pech für Taxifahrer: «Wir haben heute weniger zu tun als sonst», sagt Apollon Damantis von der Taxivereinigung Frankfurt. Er rechnet aber mit Hochbetrieb, wenn die Flieger wieder starten: «Dann wollen ja alle gleichzeitig zum Flughafen.»

Manche Fluggesellschaften hatten bereits am Morgen einen Plan B: US Airways etwa bucht die Passagiere um, in der Hoffnung, dass von Sonntag an wieder Flieger in Frankfurt starten. «Ich schreibe den Leuten den neuen Flug auf und gebe ihnen die Hotline-Rufnummer», sagt Marion Krüger-Vogel (46). «Sonst trinken wir Kaffee und unterhalten uns.»

Unerwartete freie Zeit: So geht es auch den Mitarbeitern an der Bordkarten- und Personen-Kontrolle, die ausgiebig mit ihren Kollegen plaudern und Fluggästen nur noch mit Wegbeschreibungen helfen können. «Ich bin so glücklich, dass ich wenigstens das noch machen kann», sagt Lidiya Otto (28) mitleidsvoll. «Ich arbeite seit fünf Jahren hier am Flughafen. So schlimm war es noch nie.»

Dann entsteht plötzlich Hektik: Wegen eines herumliegenden Gepäckstücks sperren Polizisten im Terminal 1 eine Fläche um den Info-Schalter - eine ebenfalls stark bedrängte Anlaufstelle. Die Sicherheitsbeamten treiben die Leute hinter das Flatterband. Wenig später gibt es die Entwarnung: Keine Gefahr aus dem Koffer.

Seit der Wind die isländische Vulkanasche zum europäischen Festland getrieben hat, liegt der Luftverkehr still. Allein in Deutschland sind am Freitag 13 internationale Flughäfen sowie weitere Regionalflughäfen gesperrt. Ein Großteil der fast 1400 Landungen und Starts in Frankfurt wird gestrichen, die Anzeigetafel zum beliebten Foto-Objekt. Für die gestrandeten Reisenden stehen Feldbetten bereit. «Darauf zu schlafen war gar nicht so unbequem», erzählt Dikla Segal (32), die mit Mann und Sohn seit Donnerstagabend auf einen Flug nach Irland wartet. «Für die nächste Nacht suchen wir uns aber ein Hotel.»

Die 37 Mitglieder einer amerikanischen Reisegruppe haben es zwar noch bis nach Frankfurt geschafft, kommen aber von dort nicht mehr weg. Nach Angaben ihrer schweizerischen Gruppenleiterin waren sie mit dem Bus aus Zürich gekommen und wollten nach ihrem zwölftägigen Europaaufenthalt über Amsterdam nach Detroit in die USA zurückreisen. Daraus wird vorerst nichts.

Über himmlische Ruhe über ihren Dächern freuen sich dagegen den ganzen Tag die Menschen in den Gemeinden rund um den Flughafen. Kein einziges Flugzeug im strahlend blauen Frühlingshimmel über dem Rhein- Main-Gebiet - das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes wird der Flughafen mindestens bis Samstagabend gesperrt bleiben. Im ungünstigsten Fall werde es auch am Sonntag keine Flüge geben. Die Nachbarn aber würden sich nicht beschweren.

Vulkane / Luftverkehr / Island
16.04.2010 · 22:46 Uhr
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