News
 

«Warte schon ewig»: Geduldsprobe für Bahn-Pendler

Warnstreiks bei der BahnGroßansicht

Frankfurt/Köln/Nürnberg (dpa) - Der ICE nach München: 90 Minuten Verspätung. Der ICE über Stuttgart nach Basel: 70 Minuten. Wie am Nürnberger Hauptbahnhof trifft der Warnstreik der Bahn-Gewerkschaften am Dienstagmorgen auch den bundesweiten Fernverkehr empfindlich.

Quer durch die Republik werden Zehntausende Pendler in Regionalzügen auf dem Arbeitsweg auf eine Geduldsprobe gestellt. Die Handys glühen, um Termine zu verschieben. Und nicht alle Reisenden haben Verständnis für den Kampf der Bahner, die eine Angleichung der Einkommen zwischen der bundeseigenen Deutschen Bahn und privaten Konkurrenten wollen.

In der Warteschlange vor dem Infoschalter am Kölner Hauptbahnhof steht Daniel Effer-Uhe und schimpft. «Ich muss nach Betzdorf, kurz vor Siegen. Da habe ich heute Gerichtstermine», sagt der Amtsrichter. «Wenn nicht schnell was in Gang kommt, muss ich alle Termine absagen lassen.»

Auch eine 20-jährige Auszubildende ist sauer über den Streik. «Ich warte schon ewig, das ist einfach nur nervig. Auf der Abfahrtstafel steht, dass alle Züge fahren, meiner nach Euskirchen ist angeblich auch vor fünf Minuten gestartet. Aber hier ist totaler Stillstand. Keiner weiß, ob und wann es mal endlich weitergeht.»

Zwischen 7.00 und 8.00 Uhr geht nichts mehr auf den Gleisen des Kölner Hauptbahnhofs, kein Zug kann ein- oder ausfahren. «Warnstreik heißt warnen - und wir warnen heute die Arbeitgeber», ruft Alexander Kirchner, der Chef der Gewerkschaft Transnet, der zu seinen Kollegen gekommen ist. Zusammen mit der Gewerkschaft GDBA hat er zum Protest aufgerufen - nicht nur bei der Deutschen Bahn, sondern zugleich bei mehreren Privatbahnen, wo die Einkommen teils 20 Prozent unter dem Niveau des Marktführers liegen.

Ein Tarifvertrag für die ganze Branche soll her. «Es gibt immer wieder neue Streckenausschreibungen, und es kommen immer neue private Unternehmen dazu. Der Wettbewerb läuft am Ende über die Löhne», erklärt Cornelis Koorevaar, Bahner seit 20 Jahren. «Es geht also zulasten der kleinen Mitarbeiter - und das können wir nicht weiter hinnehmen.»

Mit Fahnen, Schildern und Bannern haben sich Gewerkschafter auch am Frankfurter Hauptbahnhof postiert. Die Streik-Auswirkungen sind noch den Vormittag über an den Anzeigetafeln abzulesen: Verspätungen von bis zu zwei Stunden - wenn der Zug nicht sogar ausfällt. Immer wieder entschuldigt sich die Deutsche Bahn über Lautsprecher für die «streikbedingten Probleme». Katja ter Jung (29) arbeitet für einen Verlag, muss nach einem Stopp in Frankfurt zu einer Besprechung nach München. Nun überlegt sie, ein Auto zu mieten. «Ich hatte extra zwei Stunden Puffer eingeplant. Die fliegen mir jetzt wohl um die Ohren.»

Im Nürnberger Hauptbahnhof gestrandet ist Renate Frantova. Über Wien wollte die Slowakin nach einer Geschäftsreise am Dienstag früh die Heimfahrt antreten. «Ich habe keine Ahnung, wann mein Zug nach Wien eintrifft. Erst war von 30 Minuten Verspätung die Rede. Jetzt wird es immer später.» Bis in ihre Heimatstadt muss sie fünfmal umsteigen. «Mein ganzer Fahrplan ist durcheinandergeraten.» Die Bahn schenkt kostenlos Kaffee und Tee an die Wartenden aus.

In anderen Knotenpunkten ist die Warnstreikwelle dagegen kaum zu bemerken. Am Berliner Hauptbahnhof leuchten am Morgen nur einzelne Verspätungen auf den Tafeln auf. Der Regionalexpress 38008 nach Magdeburg mit geplanter Abfahrt 6.10 Uhr verspätet sich erst um 45, dann 50 Minuten. Sicherheitshalber hat die Bahn aber Schilder aufgestellt: «Mit Behinderungen im Zugverkehr und der Einrichtung von Ersatzverkehren muss gerechnet werden.»

Tarife / Verkehr / Bahn
26.10.2010 · 20:42 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
27.03.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen