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Warnung vor dem «Winter-Blues» - Streit ums Salz

Eine verunglückte Zugmaschine eines Milchtransporters steht auf der A7.  Rund 20 000 Liter Milch hatten sich dabei auf die Autobahn 7 ergossen und eine stundenlange Sperrung in Richtung Süden verursacht.
Hamburg (dpa) - Das Wintermärchen ist für viele Autofahrer erneut zur Gruselgeschichte geworden: Schneefall und Eisglätte haben am Donnerstag wieder den Verkehr vielerorts in Deutschland lahmgelegt.

Psychologen warnen nach sechs Wochen Dauerfrost, Schneefall, Glatteis und wenig Sonnenschein bereits vor einem «Winter-Blues», der sich bei vielen Menschen in Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit und großen Stimmungsschwankungen bemerkbar mache.

Die Streudienste kommen mit dem Räumen kaum noch nach und klagen über leere Streusalzlager. Auf schneebedeckten Fahrbahnen gab es nach Angaben der Polizei wieder viele Unfälle, meist durch Lastwagen. Zwar blieb es meist bei Blechschäden und Verletzten, doch mussten im Norden wie im Süden der Republik wichtige Verkehrsachsen vorübergehend gesperrt werden. Die Folge waren kilometerlange Staus. In der Oberpfalz starb ein 74-jähriger Rentner, als sein Auto bei dem Ort Eslarn auf schneeglatter Fahrbahn ins Schleudern kam und mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammenstieß.

Angesichts leerer Streusalzlager wird der Winterdienst - wie etwa in Nordrhein-Westfalen an den Karnevalstagen - eingeschränkt. In Niedersachsen ist zwischen Städten und Gemeinden sowie dem Land bereits ein erbitterter Streit ums knappe Streusalz entbrannt. Die Kommunen klagten, dass es nur noch an Landesstraßenbaubehörden geliefert werde. In Heilbronn soll demnächst, wie schon in Tübingen, nicht mehr auf dem ganzen Hauptstraßennetz gestreut werden, sondern nur noch auf den Strecken, auf denen Linienbusse verkehren. In Tostedt bei Hamburg wurde eine Straße kurzerhand zur Einbahnstraße erklärt, um die Lage zu entschärfen.

Der Sozialverband VDK warnte vor lebensgefährlichen Folgen der Eisesglätte. «Die Glätte wird vor allem für Rentner auf den Straßen zunehmend zur Lebensgefahr. Die Gehwege müssen endlich wieder von Schnee und Eis befreit werden», mahnte die VDK-Vorsitzende Ulrike Mascher in einem Gespräch mit dem online-Dienst Bild.de. Die Stadt Nürnberg sprach vom härtesten Winter seit 20 Jahren.

Verspätungen auf den Flughäfen

An mehreren großen deutschen Flughafen - etwa in Frankfurt, München oder Stuttgart - kam es erneut zu vielen Verspätungen. Immer wieder mussten laut Betreiberangaben Start-und Landebahn gesperrt und vom Schnee geräumt werden. Alle abfliegenden Maschinen wurden aus Sicherheitsgründen enteist. Unter den Starts und Landungen, die am Frankfurter Flughafen gestrichen wurden, waren auch Flüge in den Nordosten der USA, der von einem heftigen Wintereinbruch geplagt ist.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach sagt auch für Freitag noch etwas Schnee voraus. Es könne zwar Mitte der nächsten Woche etwas wärmer werden, aber mehr als ein paar Plusgrade seien tagsüber auch dann nicht zu erwarten, sagte Meteorologe Ansgar Engel vom DWD. Im Osten bleibt es beim Dauerfrost, die Nächte werden überall frostig. Wann es eine grundlegende Wetteränderung gibt, sei nicht abzusehen: «Wir wissen`s wirklich nicht», versicherte Engel.

Zum Straßenkarneval an diesem Wochenende gibt es reichlich Neuschnee: Über die Kaltluft von Hoch «Frommhold» schiebt Tief «Queen» milde und feuchte Mittelmeerluft. Diese Konstellation ist die Bedingung für ergiebige Schneefälle in der Mitte Deutschlands, von den nördlichen Mittelgebirgen bis nach Brandenburg. Bis Freitagabend kommen dort zehn Zentimeter zusammen, im Bergland auch deutlich mehr. Erst am Sonntag lassen die Schneefälle nach. «Der Rosenmontag wird in den Karnevals-, Faschings- und anderen Hochburgen des Frohsinns voraussichtlich überwiegend süße Niederschläge bringen», sagte Engel.

Wetter / Unfälle
11.02.2010 · 16:49 Uhr
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