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Wall-Street-Protestler wollen Finanzgrößen «besuchen»

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New York/Washington (dpa) - Die Anti-Banken-Proteste an der Wall Street breiten sich aus. Die Demonstranten planen einen Marsch zu den Wohnhäusern namhafter Milliardäre in New York. Auch in Chicago gingen Tausende auf die Straße - und in Boston griff die Polizei hart gegen Protestler durch.

Die Demonstranten, die seit fast vier Wochen den Finanzbezirk der Millionenmetropole belagern, wollen ihre Forderungen nach einer Beschneidung der Bankenmacht sowie Steuer- und Sozialreformen direkt vor die Haustüren der ungeliebten Finanzmagnaten tragen. Derweil breitet sich die Protestaktion gegen die Wall Street auf weitere US-Städte aus.

Mehrere Aktionsgruppen hatten für Dienstag (18.30 Uhr deutscher Zeit) zu einer «Milliardärs-Tour» aufgerufen, die am unteren Ende des Central Parks beginnen und durch die mondänen Wohnviertel zwischen der Fifth Avenue und der Park Avenue führen soll. Auf dem Besuchsplan stehen die privaten Adressen des Chefs der Großbank JPMorgan Chase, Jamie Dimon, des Gründers des Medienkonzerns NewsCorp, Rupert Murdoch, oder der Hedge-Fonds-Größe John Paulson.

Der Protestzug steht unter dem Motto «Wollt Ihr sehen, wie die 1 Prozent leben?» Damit sind die Wohlhabenden gemeint, die nach Ansicht der Protestler auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung leben. Die Demonstranten selbst sehen sich als Vertreter der verbleibenden 99 Prozent. Sie verlangen unter anderem höhere Steuern für die Besserverdienenden.

Die Aktion «Occupy Wall Street» («Besetzt die Wall Street») war Mitte September angelaufen, seitdem kampiert ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Aktivisten nahe der Finanzmeile in Downtown Manhattan. Die Bewegung hatte an Fahrt gewonnen, als sich mehrere Gewerkschaften sowie Mieter- und Nachbarschaftsvereine anschlossen. Vor einer Woche waren etwa 7000 Menschen durch die Straßen New Yorks gezogen.

Mittlerweile gibt es in vielen US-Städten ähnliche Aktionen, darunter in der Hauptstadt Washington, in Cincinnati (Ohio) oder Des Moines, der Hauptstadt von Iowa. In Chicago (Illinois) waren am Montagabend (Ortszeit) mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen, um gegen «die Gier von Großunternehmen» zu demonstrieren, wie die «Chicago Sun-Times» berichtete. Unter dem Motto «Stand Up Chicago» (Steh' auf Chicago) waren nach Veranstalterangaben 7000 Menschen mit Transparenten und Sprechchören in die Innenstadt gezogen. Die Polizei schätzte die Menge auf 3000.

In Boston (Massachusetts) wurden derweil Dutzende Nachahmer der Wall-Street-Proteste festgenommen. Bis zu 700 Polizisten hätten in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) ein Zeltlager Hunderter Protestler in einem öffentlichen Park aufgelöst, berichtete der «Boston Herald» auf seiner Onlineseite. Den Festgenommenen werde Teilnahme an einer unerlaubten Versammlung und der Aufenthalt in einem städtischen Park außerhalb der Öffnungszeiten vorgeworfen.

Dagegen gab es in New York versöhnliche Töne. Die Demonstrationen könnten weitergehen, solange sich die Beteiligten an die Gesetze hielten, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Montag. Er hatte sich in der vergangenen Woche kritisch geäußert und befürchtet, die Aktion könnte Touristen vergraulen. Die Protestler haben ihr Lager auf dem Zuccotti Park an der Südspitze Manhattans aufgeschlagen und damit nur unweit von Touristenmagneten wie der Wall Street, den Fähren zur Freiheitsstatue oder der Baustelle des neuen World Trader Centers.

Demonstrationen / Finanzen / USA
11.10.2011 · 17:21 Uhr
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