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Wahrscheinlich mehr als 200 Erdbeben-Tote

Helfer in ChristchurchGroßansicht

Wellington (dpa) - Die Suche nach mehr Überlebenden des Erdbebens in Neuseeland war bislang vergeblich. Seit Mittwochnachmittag wurde niemand mehr lebend aus dem Trümmern geborgen, wie die Polizei mitteilte.

98 Leichen wurden gefunden, die Suchtrupps vermuten noch weit mehr als 100 Opfer unter den Trümmern in Christchurch. Doch niemand kann derzeit genau sagen, wie viele Menschen am Dienstag um 12.51 Uhr in der Stadt waren und wie viele in dem schweren Erdbeben ihr Leben verloren.

Die Polizei geht inzwischen von rund 200 Toten aus. «Wir haben heute große Sorge, dass die Zahl der Todesopfer viel höher wird als wir je befürchtet haben», sagte Regierungschef John Key am Abend (Ortszeit). Auf der Liste der Vermissten standen 226 Namen. Darunter dürften aber auch Leute sein, die die Stadt in Panik verlassen haben, ohne Freunden Bescheid zu sagen. Auch die Liste der Toten ist noch nicht mit der Vermisstenliste abgeglichen. Unter den Todesopfern waren nach Angaben der Polizei zwei fünf und neun Monate Babys.

«Wir haben Hunde im Einsatz, Mikrofone und Kameras, um nach Anzeichen von Leben zu suchen», sagte Polizeichef Cliff. Über Christchurch wurde der Flugverkehr eingeschränkt, damit die Retter mit ihren hochsensiblen Sonargeräten nicht gestört werden, berichtete die Lokalzeitung «The Press». Dreimal schöpften die Suchtrupps am Donnerstag Hoffnung, meinten, Klopfgeräusche zu hören. Doch entdeckten sie an den Stellen dann doch keine Lebenszeichen. Neben Neuseeländern und Australiern waren auch Teams mit 400 Helfern und Spezialausrüstung aus Taiwan, Singapur, Japan, Großbritannien und den USA sowie mehr als 1000 Soldaten im Einsatz.

Allein unter dem eingestürzten Canterbury Television-Gebäude wurden noch bis zu 120 Opfer vermutet. Dort habe niemand eine Überlebenschance gehabt, sagte Polizeichef Dave Cliff. In dem Haus war eine Sprachschule mit dutzenden Schülern aus aller Welt. Unter den Vermissten sind Chinesen, Japaner, Südkoreaner und Philippiner. Nach Angaben der Schule wurden mehr als 80 Schüler und Studenten vermisst. «Dies ist nicht nur eine neuseeländische, sondern eine internationale Tragödie», sagte Außenminister Murray McCully.

In dem Gebäude war auch ein Fernsehsender untergebracht, der 15 Mitarbeiter vermisste. Unter den Trümmern des Turms der Kathedrale wurden bis zu 22 Tote vermutet. Die Kathedrale war eine der Haupttouristenattraktionen von Christchurch. Daneben gibt es hunderte kleinere eingestürzte Läden und Wohnhäuser, die die Suchtrupps systematisch absuchen. In den Straßen liegen zudem noch viele Autos, die von herabstürzenden Brocken getroffen worden waren. Zwei Linienbusse wurden ebenfalls zerstört.

Immer wieder wurden die Rettungsarbeiten auch am Donnerstag durch Nachbeben behindert. An vielen eingestürzten Gebäuden sei die Lage für die Helfer lebensgefährlich, sagte die Polizeiministerin Judith Collins. Am Donnerstag waren noch 164 Menschen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. 431 waren in Notaufnahmen betreut worden und mehr als 2000 wurden wegen kleinerer Schnittwunden und Quetschungen von Sanitätern versorgt. In 80 Prozent Christchurchs - einer Stadt mit 390 000 Einwohnern - gab es weiter kein Wasser. Die Strom- und Gasversorgung war ebenfalls weitgehend unterbrochen.

Erdbeben / Neuseeland
24.02.2011 · 15:09 Uhr
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