News
 

Wahlforscher: Integrationsdebatte lange verschleppt

Berlin (dpa) - Die Integrationsdebatte erregt nach Ansicht des Wahlforschers Reinhard Schlinkert so viel Aufsehen, weil sie lange verschleppt worden ist. «Es ist jahrzehntelang nicht darüber gesprochen worden. Deshalb ist jetzt der große Aufruhr.»

Das sagte der Generalbevollmächtigte von Infratest dimap am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Wann immer im Westen über Ausländerprobleme gesprochen wurde, kamen rechtsradikale Parteien in die Parlamente. Das haben wir zum Beispiel in Baden-Württemberg erlebt.»

Der Wahlforscher sieht in Äußerungen von Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer zur Integration die Möglichkeit für die Union, das Thema nicht an rechte Parteien zu verlieren. «Es ist sicherlich besser, dass CDU und CSU sich dieses Themas annehmen als dass rechtsradikale Parteien das tun», sagte Schlinkert.

Dabei versuchen die CDU-Vorsitzende wie auch Seehofer das Thema nach Ansicht Schlinkerts naturgemäß auch für ihre Interessen zu nutzen. «Welcher Politiker probiert nicht, Themen dazu zu benutzen, dass er mehr Akzeptanz in der Bevölkerung findet? Natürlich ist Integration ein virulentes Thema in der deutschen Bevölkerung. Die Diskussion über die Integration von Ausländern ist aber nicht nur auf einen bestimmten Bevölkerungskreis reduziert.»

Seehofers umstrittene Forderung nach einem Zuzugstopp für Menschen aus der Türkei und arabischen Staaten ist nach Einschätzung des Forschers zu wenig differenziert. «Das ist sicher eine sehr starke Vereinfachung. Es kommt eine subkutane Ablehnung des Islams hinzu», sagte Schlinkert. «Man kann das nicht so über einen Kamm scheren. Es gibt genug muslimische Ärzte aus arabischen Ländern. Über die spricht keiner.»

Migration / Integration / Arbeitsmarkt
19.10.2010 · 21:48 Uhr
[1 Kommentar]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
23.10.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen