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Wahl in Oslo umstritten: «Zu früh» und «naiv»

Siv Jensen zu ObamaGroßansicht
Oslo (dpa) - «Zu früh!» oder: «Naiv.» Und: «Kann Obama das jetzt überhaupt gebrauchen?» Keineswegs nur positiv fielen am Freitag in Oslo, der Heimat des Friedensnobelpreises, zahlreiche Kommentare nach der sensationellen Vergabe an US-Präsident Barack Obama aus.

Und das, obwohl es unter Norwegens führenden Politikern eigentlich zum guten Ton gehört, dass die Entscheidung des heimischen Komitees gelobt wird - ob nun lange gehandelte Politiker, unbekannte Menschenrechtler oder verdiente humanitäre Organisationen mit dem vielleicht berühmtesten Preis der Welt bedacht werden.

Aber dass der 48 Jahre junge Obama nach gerade einmal neun Monaten im Amt für die globale Aufbruchstimmung um ihn herum geehrt wird, brachte auch bei den Skandinaviern gewohnte Rituale ins Wanken. «Ich bin ziemlich baff. Er ist doch gerade erst am Anfang», stufte die konservative Oppositionschefin Erna Solberg die Vergabe als zu früh ein.

Ihre Kollegin Siv Jensen von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei meinte: «Man kann doch nur erbrachte Leistungen für den Frieden auszeichnen und nicht Erwartungen oder Hoffnungen.» Amnesty Internationals norwegischer Sprecher John Egenæs sah ein anderes Problem: «Schließlich trägt Obama auch Verantwortung für die Kriegsführung der USA in Afghanistan.»

Gedanken über den Nutzen für den Geehrten selbst machte sich der Friedensforscher Kristian Harpviken: «Daheim dürften die Kritiker des Präsidenten den Preis als unangemessene Einmischung von außen in die US-Innenpolitik ausnutzen.» Medienkommentatoren stuften die Vergabe als «naiv» ein, weil Obama eher konkrete politische Ergebnisse als neue Ehrungen benötige.

Thorbjörn Jagland, neuer Chef des Osloer Nobelkomitees, wischte all diese Stimmen mit dem trotzigen Hinweis auf ähnlich «frühzeitige» Vergaben beiseite: Man habe ja 1971 Willy Brandt mit dessen Ostpolitik und 1990 Michail Gorbatschow bei der Perestroika auch schon ausgezeichnet, als der Ausgang dieser politischen Projekte noch völlig offen war.

Brandt und Gorbatschow hatten aber nicht gerade erst angefangen wie der neue US-Präsident. Vielleicht erinnerte sich das Komitee bei der Entscheidung für Obama auch gerne an das gewaltige und anhaltende Echo der Preise für den Ex-Bundeskanzler aus der Bundesrepublik und den früheren sowjetischen Parteichef. Klar war, dass die Vergabe an Obama wie eine Bombe einschlagen und Reaktionen provozieren würde.

So kam es dann am Freitag auch - anders als bei diversen wenig kontroversen, aber auch weitgehend mit Achselzucken aufgenommenen Entscheidungen. Etwa die im letzten Jahr für den finnischen Ex-Präsidenten und Krisen-Makler Martti Ahtisaaari. Als der am 10. Dezember sein Diplom samt umgerechnet knapp eine Million Euro Dotierung im Osloer Rathaus ausgehändigt bekam, interessierte das die großen Medien nur am Rande. Das wird wohl ganz anders sein, wenn zum gleichen Datum in sechs Wochen die Air Force One mit dem Mann aus dem Weißen Haus auf Oslos Flugplatz Gardermoen landen sollte.

Nobelpreise / International
09.10.2009 · 15:23 Uhr
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