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Wachsende Gefahr durch Designer-Drogen

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Berlin/Lissabon (dpa) - Experten sprechen von einem frustrierenden Katz-und-Maus-Spiel: Kaum ist eine neue Psychodroge registriert und analysiert, kommt schon vor einem Verbot eine neue Variante auf den Markt.

Dabei sind die scheinbar legalen Substanzen aus dem Labor nicht weniger gefährlich als die bereits verbotenen. Menschen seien plötzlich von Brücken gesprungen im Glauben, sie könnten fliegen, berichtet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans. Im Körper der Betroffenen habe man dann solche Substanzen festgestellt.

Der Konsum illegaler Drogen hat sich in Deutschland kaum verändert, wie Dyckmans bei der Präsentation des neuen Jahresberichts zur Drogensituation berichtete. Allerdings gehe die Zahl der Drogentoten «glücklicherweise langsam aber stetig runter». An ihrer Drogensucht starben im vergangenen Jahr 1237 Konsumenten, davon rund 850 am Heroin-Konsum. 2008 lag die Zahl der Drogentoten bei 1449, 2009 bei 1331. Dyckmans führte die positive Entwicklung auf die verbesserte «Art der Drogenbehandlung» zurück: Die Angebote an sogenannten Druckräumen und Substitutionsbehandlungen hätten dazu geführt, «dass wir von Jahr zu Jahr weniger Drogentote haben».

Nach einer aktuellen Untersuchung ist Haschisch-Konsum bei Jugendlichen - parallel zum Zigaretten-Qualmen - auf dem Rückzug: Innerhalb von zwölf Monaten haben 5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen einen Joint geraucht, 2004 waren es noch 10,1 Prozent. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren blieb die Quote mit 12,7 Prozent gleich, wie Dyckmans berichtete.

Allein im vergangenen Jahr registrierten die Behörden 41 neue Szene-Drogen: Um diese von vornherein verbieten zu können, will die Bundes-Drogenbeauftragte das Betäubungsmittelgesetz ändern: Ein Rechtsgutachten schlägt vor, Verbote für umfassende Stoffgruppen zu ermöglichen. Dies würde auch jede neue Substanz erfassen.

Für den Leiter der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD), Tim Pfeiffer-Gerschel, entspricht die Zahl der Drogentoten hierzulande der Bevölkerungszahl: Deutschland rage im europäischen Vergleich nicht negativ heraus.

Zeitgleich mit dem Drogenbericht für Deutschland wurde auch der Europa-Bericht in Lissabon veröffentlicht. Er zeigt eine weitgehend länderübergreifende Entwicklung: Der Drogenkonsum in Europa ist relativ stabil, der Konsum von Rauschgiften wie Kokain oder Cannabis geht vielerorts zurück - doch neue synthetische Drogen überfluten den Kontinent im Rekordtempo.

Die Verkäufer der sogenannten Legal Highs seien den Behörden immer einen Schritt voraus, weil sie in der Lage seien, schnell neue Alternativen zu verbotenen Produkten anzubieten, heißt es im Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD). In diesem Jahr seien schon 39 neue Substanzen gemeldet worden. «Wir fanden das sensationell hoch», sagte EBDD-Direktor Wolfgang Götz der dpa.

«Das größte Problem bei synthetischen Drogen besteht darin, dass die Leute nicht wirklich wissen, was sie nehmen», sagte Götz. «Bei einem Joghurt steht auf der Packung, was drin ist, bei einer Pille nicht. Wenn die Leute diese Substanzen dann auch noch mit anderen legalen oder illegalen Drogen mischen, dann kann es zu großen gesundheitlichen Problemen und auch zum Tod führen.»

Dyckmans mahnte mehr Unterstützung für Kinder suchtkranker Eltern an. Kinder in «Drogenfamilien» seien besonders häufig von Armut und sozialer Benachteiligung betroffen. Einige seien bereits im Mutterleib durch den Drogenkonsum ihrer Mütter gesundheitlich geschädigt. In Kontakt mit den Ländern will Dyckmans auch Verbesserungen für drogenabhängige Häftlinge erreichen.

Sucht / Drogen
15.11.2011 · 20:34 Uhr
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