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Vulkanaschewolke wird für Volkswirtschaft teuer

Fast menschenleer ist der Gatwick Airport in Großbritannien.
Frankfurt/Main (dpa) - Der Ausbruch des Vulkans in Island wird für Europas Volkswirtschaft richtig teuer. Fluggesellschaften erleiden Millionenverluste, Firmen kommen nicht mehr an dringend benötigte Waren und gestrandete Geschäftsreisende müssen in Hotels ausharren.

Die Sperrung weiter Teile des europäischen Luftraums wegen der Gefährdung durch die Aschewolke kann schnell einige hundert Millionen Euro Schaden verursachen.

Der Internationalen Flugverband IATA bezifferte den täglichen Einkommensverlust der Fluglinien durch die Vulkanasche auf mehr als 200 Millionen Dollar (fast 148 Millionen Euro) am Tag. Dazu kämen Kosten für die Umleitung und das Parken von Flugzeugen auf anderen Flughäfen. Auch die Betreuung und Unterbringung gestrandeter Passagiere kosteten extra, sagte Sprecher Anthony Concil in Genf.

Nach Berechnungen europäischen Airline-Verbandes AEA drohen allein den Mitglieds-Airlines Einbußen von täglich mehr als 100 Millionen Euro. «An einem normalen Tag würden unsere Mitglieder mit Umsätzen von 200 Millionen Euro rechnen», sagte Sprecher David Henderson. Da am Freitag aber rund 60 Prozent der Flüge ausgefallen sind, wären dies allein schon 120 Millionen Euro.

Auch die Flughäfen haben weniger Geld in der Kasse. Gebühren für Starts und Landungen können sie bei Stillstand nicht erheben. Und auch die wichtigste Einnahmequelle, die Erlösbeteiligung aus dem Verkauf von zollfreien Waren, Geschenken oder Mitbringsel in den Flughafengeschäften, dürfte leiden. Das gilt zumindest dann, wenn die Fluggäste rechtzeitig über Ausfälle informiert sind und gar nicht erst zum Flughafen fahren.

«Der Vulkanausbruch wird den deutschen Flughäfen täglich Verluste in Millionenhöhe bescheren», sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel. Fraport, der Betreiber des größten deutschen Flughafens in Frankfurt, schätzte die Einbußen beim operativen Ergebnis (EBITDA) auf 2,5 bis 3,0 Millionen Euro pro Tag.

Rückschläge bedeuten die Sperrungen auch für Reiseveranstalter wie TUI oder Thomas Cook. Der Deutsche Reiseverband (DRV) rechnete damit, dass allein am Freitag rund 50 000 deutsche Veranstalter-Gäste durch die Flugverbote betroffen waren - einige saßen im Urlaubsland fest, andere in der Heimat, wieder andere wurden umgeleitet. «Wir helfen, wo es nur geht», sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer. «Uns sind aber auch die Hände gebunden.»

Volkswirtschaftlich besonders sensibel ist der Frachttransport. «Wenn zum Beispiel in einem Unternehmen ein Ersatzteil für 5000 Euro fehlt kann das schnell einen siebenstelligen Schaden verursachen», sagt Lufthansa-Cargo-Sprecher Nils Haupt. Allein am Frankfurter Flughafen schlägt das Unternehmen bis zu 20 000 Tonnen Fracht in der Woche um. Seit den Flugausfällen setzt das Unternehmen nun auf Lastwagen. Wertfracht und lebende Tiere bleiben dagegen am Flughafen.

Keine größeren Schäden durch die Vulkanasche erwarten dagegen die Versicherer: Denn im Gegensatz zu Flugzeugabstürzen sind Flugausfälle der Airlines in der Regel nicht versichert, wie der Rückversicherer Munich Re und die Allianz in München erklärten. Ein Sprecher von Munich Re zeigte sich sogar erleichtert, dass viele Flughäfen nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla vorsorglich gesperrt wurden.

Einige Krisengewinner etwa bei Bahnen oder Autovermietern gibt es aber auch. «Wir rechnen damit, dass die Nachfrage größer wird», sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Autovermieter Sixt. Das Unternehmen habe europaweit bisher 2000 zusätzliche Fahrzeuge bereitgestellt. Und auch der Reisebus-Betreiber Touring Deutschland sprach von einer gestiegenen Nachfrage und erweiterte seine Kapazität.

An den Börsen schlugen sich die massiven Flugausfälle am Freitag deutlich negativ nieder. Lufthansa-Aktien sackten um 4,10 Prozent auf 12,74 Euro ab und lagen damit mit am Ende des Leitindexes Dax. Auch die Papiere von Air Berlin, dem Flughafenbetreiber Fraport oder den großen Airlines in Frankreich und Großbritannien rutschten ab.

Luftverkehr / Vulkane / Island
16.04.2010 · 22:46 Uhr
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