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Vulkanasche lähmt Flugverkehr in Deutschland und Europa

Ein Passagier vor einer Anzeigetafel in Norwegen.
Reykjavik/Frankfurt/Brüssel (dpa) - Die Vulkan-Asche aus Island stürzt den Flugverkehr in Europa ins Chaos. In Deutschland wurden am Donnerstagabend als erstes die Flughäfen in Hamburg und Berlin geschlossen. Auch kleinere Airports wie Bremen waren betroffen.

Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden gegen 22.00 Uhr jedoch wieder aufgemacht. Schrittweise sollten in der Nacht große Teile des deutschen Luftraums für den Flugbetrieb gesperrt werden.

Die gefährliche Aschewolke vom Gletscher-Vulkan Eyjafjalla breitete sich immer weiter Richtung Osten und Südosten aus und wird den Luftverkehr vermutlich noch tagelang stören. Für Freitag sagte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol voraus, dass in Deutschland und Polen verstärkt mit Beeinträchtigungen zu rechnen sei. Etwa die Hälfte aller 600 Flüge zwischen Nordamerika und Europa falle zudem wohl aus.

Etwa 800 Isländer mussten wegen des Vulkanausbruchs ihre Häuser verlassen. Die Behörden ordneten die Evakuierungen wegen massiver Überschwemmungen in der Umgebung des Eyjafjalla an. Man müsse mit dem Bruch mehrerer vorsorglich errichteter Dämme rechnen. Außerdem strömten mit dem Wasser große Eisbrocken aus.

Europaweit fielen bereits am Donnerstag tausende Flüge aus. Acht Länder hatten nach und nach ihren Luftraum komplett gesperrt: Großbritannien und Irland, die Niederlande und Belgien sowie Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. In Frankreich war ein Großteil des Luftraums betroffen, auch die beiden Pariser Großflughäfen sollten ab 23 Uhr geschlossen werden. Im Nordwesten Polens wurde am Abend der Luftraum gesperrt.

Lavaasche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Außenhaut der Flieger. Außerdem ist die Sicht beeinträchtigt. Fluggesellschaften mussten rund ein Viertel der täglich etwa 28 000 Verbindungen absagen, wie die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mitteilte.

«Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen», sagte einer der Leiter der Behörde. Auch am Freitag sei mit ähnlich vielen Ausfällen zu rechnen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Aschewolke «eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt».

In London Heathrow, der wichtigsten Drehscheibe des europäischen Flugverkehrs und einem der wichtigsten Flughäfen der Welt mit täglich 1300 Flügen und 180 000 Passagieren, lief gar nichts mehr: Zehntausende saßen fest. Und niemand konnte ihnen sagen, wann es Entwarnung gibt.

Der bundesweit größte Flughafen in Frankfurt zählte bis Donnerstagnachmittag mehr als 150 gestrichene Starts und Landungen, wie Flughafensprecher Wolfgang Schwalm sagte. Zugleich landete in Frankfurt ein Dutzend Maschinen, die auf dem Weg nach London waren und dort nicht mehr landen durften - vor allem Langstreckenflüge aus den USA oder Asien.

Experten: Vulkanasche extrem gefährlich

Wolken aus Vulkanasche werden von Piloten gemieden. «Das ist sehr gefährlich», sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, der dpa. Wenn ein Pilot versehentlich in eine solche Wolke gerate, «heißt es um 180 Grad wenden und nichts wie raus.»

Der österreichische Airline-Chef und Ex-Autorennfahrer Niki Lauda sagte der Nachrichtenagentur APA: «Das ist wie Hagel - auf eine andere Art.» Der Wiener Luftfahrtunternehmer stufte das Flugverbot als gerechtfertigt ein.

In Kopenhagen verhinderte die Aschewolke die Anreise mehrerer Gäste für den 70. Geburtstag von Dänemarks Königin Margrethe am Freitag. Darunter waren Spaniens Königin Juan Carlos und die niederländische Königin Beatrix.

Vulkan spuckt weiter

Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine große Wolke aus Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre. Wie das Außenministerium in Reykjavik am Donnerstagabend mitteilte, schätzen Experten das Risiko hoch ein, dass diese Aktivität in den kommenden Tagen anhält.

Islands Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir sagte im Fernsehen: «Wir können nur hoffen, dass sich die Lage beruhigt, tun können wir aber nichts. Der Schaden ist schon jetzt erheblich.»

Vulkanexperten in Reykjavik erklärten, dass der letzte Ausbruch am Eyjafjalla-Gletscher im Jahr 1821 erst nach zwei Jahren endete.

Internet zu Großbritannien: www.nats.co.uk

Internet zu Island: http://en.vedur.is/

Vulkane / Luftverkehr / Island
16.04.2010 · 06:45 Uhr
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