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Vulkan und Tsunami: Mehr als 300 Tote in Indonesien

Mindestens 25 Menschen sind bei dem Ausbruch des Vulkans Merapi ums Leben gekommen und 12 wurden verletzt.

Jakarta (dpa) - Ein Vulkanausbruch mit glühendem Ascheregen, ein Erdbeben mit Killer-Tsunami: Indonesien ist von zwei schweren Naturkatastrophen getroffen worden. Die Bilanz: mehr als 300 Tote. Beim Vulkan Merapi war die Gefahr weiterer Opfer und Schäden noch nicht gebannt.

Als ob die Welt untergeht - so beschreibt ein Indonesier am Mittwoch in Fernsehen die gewaltige Eruption des Merapi auf der Insel Java. Die Naturkatastrophe folgte keine 24 Stunden auf das heftige Erdbeben vor den Mentawai-Inseln einige hundert Kilometer weiter westlich. Eine meterhohe Tsunamiwelle hatte dort Dutzende Dörfer zerstört. Bei beiden Unglücken kamen mehr als 300 Menschen um. Auf den Inseln wurden noch mehrere hundert Bewohner vermisst.

Eine 1500 Meter hohe Fontäne mit glühend heißer Asche und Gesteinsbrocken war am Dienstagabend plötzlich aus dem Krater des Merapi emporgeschossen. Tausende Bewohner der fruchtbaren Hänge wurden von dem Ascheregen trotz Warnungen der Behörden überrascht. Mindestens 29 Menschen starben, 34 wurden verletzt, einige von ihnen schwer. «Die Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt», sagte ein Mitglied des militärischen Rettungsteams, Oberst Pramano.

Viele der Bergbewohner hatten sich geweigert, ihre Häuser zu verlassen. Der knapp 3000 Meter hohe Merapi rund 500 Kilometer südöstlich von Jakarta ist heilig. «Wir warten immer auf ein Zeichen», sagte Sarbini, ein 60 Jahre alter Bauer. Die Berggeister ließen die Bewohner dieses Mal im Stich, darunter auch den tief verehrten, vom Sultan in Yogyakarta eigens ernannten spirituellen Hüter des Berges, Mbah Maridjan.

Der 83-Jährige war beim Beten, als sich die Katastrophe ereignete. Die Helfer fanden ihn später, vorübergebeugt auf den Knien, im Badezimmer, unter eingestürzten Hauswänden. Mit ihm starb auch ein Reporter des Newsportals Vivanews.com. Seine letzte SMS ging an seine Redaktion. «Er wollte Maridjan zu Ende beten lassen und dann überreden, in die Notunterkunft zu gehen», sagte eine Kollegin am Mittwoch. In dem Haus wurden mindestens 15 Leichen gefunden.

Der Berg sah nach der Eruption so aus, als ob im Krater Feuer loderte. Dicke Rauchschwaden wallten über den Kraterrand. Vulkanologen stellten auch am Mittwoch noch erhebliche Spannungen im Inneren des Berges fest. Der Lavadom im Krater wölbte sich bedrohlich nach oben. «Da hat sich eine Menge Energie gestaut», sagte Surono, Chef eines Vulkanforschungszentrums. «Es lässt sich nicht vorhersagen, was als nächstes passiert.» Im besten Fall entweicht das Gas langsam über die nächsten Wochen. Eine weitere gewalttätige Eruption auch mit Lava und giftigen Gasen ist aber nicht ausgeschlossen.

Mehrere Siedlungen bei Kinahrejo rund vier Kilometer unter dem Kraterrand glichen Geisterdörfern. Eine dicke graue Ascheschicht lag wie ein Todesmantel über allem, auch verendeten Rindern. Von den Büschen ragten versengte Ästen in die Luft. Viele der 18 000 Einwohner, die am Dienstagabend doch noch geflohen waren, wollten am Mittwoch schon wieder zurück. Mit Atemmasken als Schutz vor den Aschepartikeln drängten sie die Hänge hinauf.

Die Polizei hatte die Straßen abgesperrt, doch wollten die Menschen nach ihrem Vieh sehen und ihre Häuser sichern. Der Ascheregen und die Geröllbrocken haben hunderte Häuser beschädigt oder zerstört. Der Merapi gehört zu den aktivsten Vulkanen Indonesiens. Er war zuletzt 2006 ausgebrochen.

Auf der Inselkette Mentawai ging unterdessen die Suche nach Opfern des Erdbebens von Montagnacht weiter. Mindestens 272 Menschen kamen ums Leben und mehr als 400 wurden am Mittwoch noch vermisst. Zehn Dörfer waren von den ausgelösten Tsunamiwellen nach dem mindestens 7,2 starken Beben unter dem Meer fortgerissen worden. Immer wieder behinderten Nachbeben die Rettung.

Die Überlebenden wurden in Notunterkünften betreut, doch blieb die Versorgung ein Problem. Es dauert zehn Stunden, um die Inseln per Boot zu erreichen. Hohe Wellen behinderten das Anlanden kleinerer Schiffe, sagte der Gouverneur von West Sumatra, Irwan Supriyanto. Größere Flughäfen gibt es nicht.

Die Katastrophen trafen Sumatra und Java, beides Inseln, die am Sundagraben liegen, einer aktiven Störzone mit Vulkanen und Erdbebengefahr. «Die Spannungssignale von dem Vulkan sind sicher nicht stark genug, um ein Erdbeben hunderte Kilometer entfernt auszulösen», sagte Birger Lühr, Geophysiker am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam, der Nachrichtenagentur dpa. «Aber im Groben besteht ein Zusammenhang zwischen dem Erdbeben und dem Vulkanausbruch.» Die australische Platte schiebe sich dort unter die eurasische - mit bis zu 6 Zentimeter pro Jahr. «Das führt zu Spannungen, die sich immer wieder entladen.»

Vulkane / Erdbeben / Indonesien
27.10.2010 · 17:24 Uhr
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