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Vorgesetzte wussten von Bundeswehr-Schikanen

GebirgsjägerGroßansicht
Mittenwald (dpa) - Vorgesetzte haben von den teils skandalösen Aufnahmeritualen bei den Bundeswehr-Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald gewusst. Sie hätten «Mutproben» wie das Essen von roher Schweineleber aber mehrfach verboten.

Das sagte der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233, Fred Siems, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Dennoch wurde es insgeheim weitergeführt.» Gegen zwei Soldaten richtet sich ein Anfangsverdacht, sagte Siems. Ein Ex- Gebirgsjäger hatte den Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, eingeschaltet. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt.

Der von dem früheren Gebirgsjäger geschilderte Fall datiert vom Juni 2009. Demnach wurden neu in den Hochgebirgsjägerzug gekommene Mannschaftsdienstgrade - die dem Rang nach unterste Gruppe - von den länger gedienten Soldaten schikaniert. Um in der Hierarchie dieser intern «Hochzugkult» genannten Praxis aufzusteigen, mussten Soldaten den «Fuxtest» absolvieren. Dazu gehörte das Essen von roher Schweineleber oder von Rollmöpsen mit Bierhefe und Alkoholkonsum bis zum Erbrechen. Auch davon hätten Vorgesetzte gewusst und es verboten - vergeblich, wie die Eingabe des Soldaten an den Wehrbeauftragten Reinhold Robbe zeigt. «Die Vorgesetzten konnten nicht wissen, dass dies geheim weiterhin praktiziert wird», sagte Oberstleutnant Siems.

Es sei oberstes Gebot der Mannschaftsdienstgrade gewesen, nie mit einem Vorgesetzten über die Rituale zu reden, erläuterte der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons. Neuankömmlinge seien in einer Art Geheimsitzung in den «Hochzugkult» eingeweiht und zur Verschwiegenheit verpflichtet worden. Die internen Ermittlungen wollte Siems noch am Donnerstag abschließen und den Bericht samt den umfangreichen Vernehmungsprotokollen an seine Vorgesetzten schicken.

Robbe sieht Gruppenzwang und elitäres Gehabe als Auslöser für die Schikanen. «Natürlich steckt Gruppenzwang dahinter, an erster Stelle», sagte er im «Morgenmagazin» des ZDF. «Es ist das Gefühl, einer Elite zugehörig zu sein wie zum Beispiel bei den Gebirgsjägern. Das ist ja auch eine herausfordernde Aufgabe.» Gebirgsjäger aus Mittenwald gerieten bereits 2006 in die Schlagzeilen. Damals posierten sie in Afghanistan auf Fotos mit einem Totenschädel und Knochen toter Zivilisten.

Verteidigung / Bundeswehr
11.02.2010 · 17:12 Uhr
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