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Vizepräsidentin der Bundesbank spricht sich für Rekapitalisierung europäischer Banken aus

Frankfurt/Main (dts) - Die Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger, hat sich für die Rekapitalisierung der europäischen Banken ausgesprochen. Zugleich forderte sie im "Handelsblatt"-Interview (Montagsausgabe) als erste hochrangige Bankaufseherin, Staatsanleihen künftig nicht mehr unterschiedslos als risikofreie Wertpapiere zu behandeln "Die Rekapitalisierung der Banken kann ein Mittel sein, um das Vertrauen der Akteure im Interbankenmarkt wiederherzustellen", sagte Lautenschläger der Zeitung. Ebenso wichtig sei es aber auch, eine überzeugende Lösung für die Staatsschuldenkrise in einzelnen europäischen Ländern zu finden.

Sie warnte davor, von den Banken eine zu hohe Kapitalquote zu verlangen. Die Kapitalanforderungen müssten einerseits so hoch sein, dass die Märkte den europäischen Banken wieder vertrauten, andererseits müsse die Funktionsfähigkeit des europäischen Kreditgewerbes sichergestellt sein. "Die Banken müssen weiter in der Lage sein, ihre Dienstleistung für die Realwirtschaft zu erbringen", so Lautenschläger Die Bundesbank-Vizepräsidentin verteidigte zudem die Neuauflage des europäischen Stresstests für Banken, der ursprünglich im Juli veröffentlicht wurde und nun unter verschärften Bedingungen erneut durchgeführt wird. "Die Annahmen des Tests, der im Sommer veröffentlicht wurde, berücksichtigte die damaligen Marktverhältnisse", sagte sie. Er verliere nicht deshalb an Glaubwürdigkeit, weil die Aufseher nun bei ihrer Datenerhebung die veränderten Marktbedingungen in ihre Bewertung mit einbezögen. Als Konsequenz aus der Staatsschuldenkrise sprach Lautenschläger sich dafür aus, europäische Staatsanleihen künftig nicht mehr als risikofreie Wertpapiere zu behandeln, wie das bisher der Fall war. "Für die Zukunft ist es in meinen Augen sinnvoll, an eine gewisse Risikogewichtung für Staatsanleihen zu denken", sagte sie. Das würde bedeuten, dass Banken dann einen Teil ihres Eigenkapitals als Risikopuffer für den Besitz von manchen europäischen Staatsanleihen verwenden müssten. Bislang war das nur bei Bankkrediten für Unternehmen, Banken oder Privatleuten der Fall. Seit der Griechenland-Krise wächst aber die Kritik daran. Die Besserstellung von Staatsanleihen machte es für Banken in der Vergangenheit attraktiv, diese zu kaufen Lautenschläger sprach sich aber für Übergangsfristen bei der Einführung von Risikogewichten für Staatsanleihen aus. "Zunächst müssen wir festlegen, was wir konkret erreichen wollen, und prüfen, welche Folgen dies hat. Schließlich muss den Instituten Zeit gegeben werden, sich auf solche neuen Bedingungen einzustellen." Die Situation der deutschen Banken beurteilte Lautenschläger positiv. Etliche deutsche Banken hätten davon profitiert, dass sie in den vergangenen Jahren ihre Kapital- und Liquiditätsausstattung verbessert hätten. "Zudem haben die hiesigen Banken das erste Halbjahr 2011 dafür genutzt, mit Hilfe der Restrukturierung der Staatsanleiheportfolien und der Einbehaltung von Gewinnen die Kapitalquote zu stärken", sagte sie.
DEU / Finanzindustrie / Wirtschaftskrise
17.10.2011 · 06:59 Uhr
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