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Vierfachmord: Schulfreund nimmt Schuld auf sich

Zwei Schulfreunde sollen in Eislingen eine Familie ausgelöscht haben.Großansicht
Ulm (dpa) - Dramatische Wende im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen: Einer der zwei Angeklagter hat die Schuld auf sich genommen und gestanden, die tödlichen Schüsse auf die Eltern und beiden Schwestern des zur Tatzeit 18-jährigen Mitangeklagten allein abgegeben zu haben.

Der Sohn der getöteten Familie habe ihn darum gebeten, sagte der 19-jährige nach Angaben des Landgerichts Ulm am Mittwoch. Das deckt sich auch mit der Darstellung des Sohnes. Dieser hat bislang vor Gericht zwar noch nicht ausgesagt. Einem Gefängnismitarbeiter soll er jedoch gestanden haben, bei der Tat zwar dabei gewesen zu sein - aber nicht geschossen zu haben. Die Ermittler waren bisher von einer gemeinsamen Tat ausgegangen.

Mit seiner Aussage vor Gericht korrigierte der Schulfreund überraschend seine bisherigen Angaben. Der Polizei hatte er noch gesagt: «Wir waren das zusammen.» Warum er die Familie seines Freundes ausgelöscht hat, konnte er bislang nicht erklären. «Mit dem Motiv tut er sich ganz arg schwer», sagte sein Anwalt Klaus Schulz. Nach wie vor gebe es keinen eindeutigen Grund für die Tat. 

Der Geständige erklärte unter anderem: «Auf Bitten von A.H. (dem Sohn der Familie) die 31 Schüsse auf dessen Familienmitglieder abgegeben zu haben», teilte das Landgericht Ulm mit. Nach Darstellung von Verteidiger Schulz war es für den Schulfreund aber möglicherweise nicht nur eine Bitte. Der Jurist spricht von einem Abhängigkeitsverhältnis seines Mandanten zum Sohn der getöteten Familie. «Er hat ein neutrales Verhältnis zu den Eltern und Schwestern gehabt und weder die Eltern noch Schwestern gehasst.»

Zuvor hatte sich der 19-Jährige bereits zu dem Einbruch in die Schützengilde in Eislingen geäußert, bei dem die zwei Angeklagten unter anderem die beiden Tatwaffen gestohlen haben. Die beiden Schulfreunde hätten die Waffen unabhängig von den Morden gestohlen, sagte der 19-Jährige nach Angaben seines Anwalts aus. Sie seien «in den Wald gegangen, um damit zu schießen», habe sein Mandant hinzugefügt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden jungen Männern vor, die Eltern und beiden Schwestern des zur Tatzeit 18-Jährigen in der Nacht zum Karfreitag aus Habgier erschossen zu haben. Laut Anklage wollte der damals 18-jährige Sohn 256 000 Euro seiner Mutter alleine erben. Die Anwälte bestreiten dieses Motiv jedoch. Neben dem Einbruch in die Schützengilde werden den beiden Angeklagten auch weitere Einbrüche und Diebstähle vorgeworfen. Diese hatte der Schulfreund bereits an einem vorherigen Verhandlungstag gestanden.

Die Verhandlung findet ohne Zuschauer statt, nur wenige Journalisten dürfen den Prozess verfolgen. Doch auch sie waren während der Vernehmung des Schulfreundes nicht im Saal zugelassen. Auch seine Eltern durften bei seiner Aussage nur zeitweise dabei sein. Das Gericht will nach eigenen Angaben am 11. November weiterverhandeln.

Vermutlich wird sich dann auch der Sohn der getöteten Familie erstmals äußern. Sein Anwalt hatte ihm geraten, erst auszusagen, wenn das psychiatrische Gutachten komplett sei. Dies legte der Sachverständige am Mittwoch nun vor. Auch der Sohn wird sich hinter verschlossenen Türen äußern.

Prozesse / Kriminalität
04.11.2009 · 20:40 Uhr
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