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Vier Tote bei Doppelanschlag in Islamabad

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Islamabad (dpa) - Drei Tage nach Beginn der Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban in Pakistan haben erstmals wieder Selbstmordattentäter zugeschlagen.

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, rissen die zwei Täter auf dem Gelände der Internationalen Islamischen Universität von Islamabad vier Menschen mit in den Tod, darunter zwei Studentinnen. Knapp 30 weitere Menschen seien verletzt worden. Im Stammesgebiet Süd-Waziristan setzte die Armee unterdessen ihren Vormarsch gegen die Taliban fort und tötete zwölf Extremisten. Die Vereinten Nationen warnten angesichts immer größer werdender Flüchtlingsströme aus der Region vor einer humanitären Krise.

In der Hauptstadt Islamabad sprengte sich nach Medienberichten einer der Attentäter in einem Café der Universität in die Luft, das ausschließlich von Studentinnen besucht wird. Wenige Minuten später sei im Foyer der Fakultät für islamische Rechtslehre (Scharia) die zweite Bombe gezündet worden. An der renommierten Scharia-Fakultät, die für ihre scharfe Kritik an der radikal-islamischen Ideologie der Taliban bekannt ist, studieren auch zahlreiche Ausländer. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Ein Sprecher des Innenministeriums machte jedoch die Taliban verantwortlich.

Bei den anhaltenden schweren Gefechten in Süd-Waziristan kamen am Dienstag nach Armeeangaben zwölf Aufständische und zwei Soldaten ums Leben. Seit Beginn der Kampfhandlungen am Samstag starben bislang insgesamt fast 100 Taliban und 11 Sicherheitskräfte. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben des Militärs gibt es nicht.

Die Gefechte haben inzwischen auch Zehntausende Zivilisten in die Flucht getrieben. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) warnte am Dienstag erstmals vor einer humanitären Krise. «Im Moment sprechen wir noch nicht von einer Katastrophe, aber es gibt eine Notsituation, auf die wir reagieren müssen», sagte UNHCR- Sprecherin Ariane Rummery in Islamabad. Allein in der vergangenen Woche seien 32 000 neue Flüchtlinge registriert worden. Hinzu kämen die 80 000 Menschen, die Süd-Waziristan seit Mai verlassen hätten.

Den Angaben zufolge sind die meisten Flüchtlinge bei Gastfamilien in den Nachbardistrikten Dera Ismail Khan und Tank untergekommen. Sie würden von UNHCR und anderen Hilfsorganisationen mit Lebensmitteln, Decken und Sanitärartikeln versorgt. Auffanglager gebe es bislang nicht. Das UNHCR sei jedoch darauf vorbereitet, bei steigender Anzahl der Flüchtlinge in Kooperation mit den Behörden Lager einzurichten. Insgesamt sei man auf bis zu 250 000 Menschen vorbereitet.

Die pakistanische Armee hatte am Samstag eine neue Offensive gegen die Taliban in deren Hochburg Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan gestartet. Mehr als 30 000 Soldaten sind daran beteiligt. Ihnen stehen 15 000 Aufständische gegenüber. Auslöser war eine blutige Terrorserie mit mehr als 160 Toten. Zu fast allen Anschlägen hatte sich die aus Waziristan operierende Bewegung «Tehrik-e-Taliban Pakistan» von Extremistenführer Hakimullah Mehsud bekannt.

Konflikte / Pakistan
20.10.2009 · 16:09 Uhr
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