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Vier lange Stromautobahnen quer durch Deutschland

Durch den Ausbau erneuerbarer Energien muss das Höchstspannungsnetz optimiert werden. Foto: Patrick PleulGroßansicht

Berlin (dpa) - Die Zahlen liegen endlich auf dem Tisch, jetzt müssen gigantische Leitungen durch Deutschland gebaut werden. Die Bürger können sechs Wochen lang Einwände vorbringen. Besonders der Westen Deutschlands wird mit neuen Leitungen überzogen.

Vier lange Stromautobahnen sollen in den nächsten zehn Jahren entstehen, hinzu kommen mehrere kürzere Abschnitte. Neben 3800 Kilometern an neuen Trassen sollen 4400 Kilometer Leitungen im Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie die schwankende Wind- und Solarstromeinspeisung dauerhaft meistern können. Diese Pläne stellten die großen Netzbetreiber am Mittwoch in Berlin vor.

Bis zum 10. Juli haben nun die Bürger das Wort - ihre Einwände sollen bei der endgültigen Planung durch die Politik berücksichtigt werden. Insgesamt werden für Aus- und Neubau Kosten von 20 Milliarden Euro veranschlagt. Die vier großen, über mehrere hundert Kilometer laufenden Netzautobahnen sollen von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ausgehend nach Hessen, Baden-Württemberg und Bayern verlaufen. Für den Verbraucher könnte das Investitionsprojekt steigende Netzentgelte bedeuten, sie sind Teil des Strompreises.

Die vier Stromautobahn-Betreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW speisen den Großteil des Stroms ein und verteilen ihn bundesweit über lange Distanzen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt seit Wochen auf mehr Tempo beim Netzausbau - nun hat sie einen entscheidenden Bauplan für ihre Energiewende in der Hand.

Bei 2100 der 3800 Kilometer soll erstmals in Deutschland die Gleichstrom-Übertragung angewendet werden. Da der Wind auf See und im Nordosten stärker bläst, soll der Strom wie bei einer Einbahnstraße in den Süden geleitet werden - dabei sind die Übertragungsverluste geringer. Für kürzere Strecken ist das ungeeignet, weshalb auch 1700 Kilometer an neuen, klassischen Wechselstromleitungen geplant sind. Erdkabel, wie von vielen Bürgerinitiativen aus Gesundheits- und Landschaftsgründen gewünscht, sind bisher nicht vorgesehen.

«Der Plan berücksichtigt den Ausbau der erneuerbaren Energien», sagte Martin Fuchs, Chef des Netzbetreibers Tennet. Boris Schucht von 50Hertz betonte: «Die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung können mit diesem Netzentwicklungsplan vollständig erreicht werden.» Dazu gehören 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2020, ein Anteil von 35 Prozent Ökostrom und 20 Prozent weniger Primärenergieverbrauch.

Schucht betonte, durch den Ausbau ließen sich langfristig enorme Kosten sparen. Allein mit der schon länger geplanten Trasse vom Osten über den Rennsteig nach Bayern ließen sich Kosten für Netzeingriffe von derzeit 100 Millionen Euro pro Jahr sparen.

Die quer durch Deutschland führenden Trassen sollen laut ersten Grobplanungen wie folgt verlaufen: Von Emden (Niedersachsen) nach Osterath in Nordrhein-Westfalen und von dort nach Philippsburg in Baden-Württemberg. Eine weitere Haupttrasse ist von Wehrendorf (Niedersachsen) nach Urberach (Hessen) geplant.

Zudem soll eine Haupttrasse von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und Bayern führen. Von unterschiedlichen Startpunkten (Brunsbüttel, Wilster, Kaltenkirchen) soll es gen Süden gehen, mit Abzweigen nach Großgartach und Goldshöfe in Baden-Württemberg und Grafenrheinfeld in Bayern. Die vierte große Gleichstromtrasse soll vom ostdeutschen Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) nach Meitingen (Bayern) verlaufen.

Fix sind bisher nur die Start- und Zielpunkte, diese werden nach technischen Begebenheiten - wie großen Umspannwerken - ausgewählt. Der genaue Trassenverlauf soll nach den Bürgerkonsultationen festgelegt werden. In den kommenden sechs Wochen haben die Bürger Gelegenheit, Stellungnahmen abzugeben (www.netzentwicklungsplan.de).

Der Bundesbedarfsplan, der dann vom Bundestag bis Ende des Jahres als Gesetz verabschiedet werden soll, ist Voraussetzung für die Durchführung von verkürzten Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht gute Chancen, die Bauzeiten in einigen Fällen zu halbieren. Mit dem seit 2011 geltenden Netzausbaubeschleunigungsgesetz könnten die Planungs- und Bauzeiten von zehn auf vier Jahre reduziert werden, sagte Rösler am Mittwoch in Lissabon. Zehn Prozent der Trassen (400 Kilometer) sollen vom Bund geplant werden.

Gemeinden, durch die Höchstspannungstrassen gebaut werden, können mit Zehntausenden Euro an Entschädigung rechnen. Der Bauernverband fordert angemessene Entschädigungen für betroffene Flächen. Hildegard Müller, Chefin des Energiedachverbandes BDEW, forderte, die Politik müsse die genauen Trassen der Stromautobahnen zeitnah festlegen.

Bundesregierung / Energie / Netze
30.05.2012 · 17:21 Uhr
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