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Viele Tote bei Terroranschlag auf russische Bahn

Zerfetzter WaggonGroßansicht
Moskau (dpa) - Terroristen haben mit einem schweren Bombenanschlag auf die wichtigste Zugverbindung Russlands mindestens 25 Passagiere eines voll besetzten Schnellzugs in den Tod gerissen.

Mehr als 100 Reisende des Luxuszugs «Newski Express» wurden bei der Explosion zwischen Moskau und St. Petersburg verletzt. Russische Ermittler teilten nach Angaben der Agentur Interfax am Sonntag mit, dass die Zahl der Todesopfer wohl noch deutlich steigen werde. Das Schicksal von 26 Reisenden sei unklar. Viele Passagiere seien von der Wucht des Bombe am späten Freitagabend zerrissen worden. Präsident Dmitri Medwedew verurteilte diesen seit Jahren schwersten Terroranschlag außerhalb der Kaukasusregion und forderte eine lückenlose Aufklärung.

Auf den besonders auch von Geschäftsleuten genutzten Zug war bereits im August 2007 ein Anschlag verübt worden, die Bilanz damals: 60 Verletzte. Nach Angaben der russischen Staatsbahn RZD wurden in beiden Fällen selbst gebaute Bomben eingesetzt. Während der Bergungsarbeiten detonierte am Samstag ein weiterer Sprengsatz. Wie durch ein Wunder sei niemand verletzt worden, sagte Bahn-Chef Wladimir Jakunin.

Zu dem blutigen Anschlag vom Freitag hatte sich eine Gruppe extremistischer Nationalisten bekannt. Als Drahtzieher wurden aber auch tschetschenische Untergrundkämpfer oder Kriminelle vermutet. «Tatsächlich ist die Rede von einem Terroranschlag», sagte der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin. Es sei aber zu früh, über Verdächtige zu sprechen. Augenzeugen hätten bereits wichtige Hinweise auf mutmaßliche Täter gegeben, die im Vorfeld der Explosion an der Bahnstrecke aufgefallen seien.

Unter den rund 100 Verletzten seien auch sechs Ausländer, darunter aus Belgien und Italien, sagte Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa. Eine eigens eingesetzte Regierungskommission kündigte an, den Familien der Todesopfer 500 000 Rubel (rund 11 000 Euro) Schmerzensgeld zu zahlen, den Verletzten jeweils 200 000 Rubel. Die Strecke wurde am Sonntagmorgen für den Passagierverkehr wieder freigegeben, wie die Staatsbahn auf ihrer Internetseite mitteilte.

Der Bombenanschlag auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg war das schwerste Attentat außerhalb der Konfliktregion Nordkaukasus seit Jahren. 2004 kamen bei einem Terroranschlag auf die Moskauer Metro elf Menschen ums Leben. Zwei Sprengsätze brachten 2004 auch zwei russische Verkehrsflugzeuge im Westen des Landes zum Absturz, die Bilanz: 90 Tote.

Der Zug mit mehr als 650 Passagieren in den 13 Waggons war entgleist, nachdem eine Bombe mit einer Wucht von 7 Kilogramm TNT explodiert war. Die Detonation ereignete sich rund 350 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Moskau bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde. Mehr als 80 Verletzte wurden am Sonntag noch in Krankenhäusern behandelt. Angehörige reisten in die Region Twer, um ihre Familienmitglieder zu identifizieren. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder der Verwüstung vom Tatort. Dutzende Psychologen waren im Einsatz, um den Menschen zu helfen.

Die Ermittler fanden vor Ort einen Krater von mehr als einem Meter Tiefe. Zudem seien Spuren gefunden worden, die bei der Suche nach den Hintermännern helfen könnten, sagte Innenminister Raschid Nurgalijew. Die Behörden hätten ein Täterprofil entworfen und würden auf die Unterstützung der Bevölkerung setzen. Die Ermittler äußerten Zweifel, dass ein im Internet aufgetauchtes Bekennerschreiben einer rechtsradikalen Gruppierung authentisch sei. Eine Sprecherin der russischen Menschenrechtsorganisation Sowa nannte es dagegen nicht abwegig, dass die Gruppierung hinter der Tat stecken könnte.

Russland war nach dem Terrorakt am Wochenende in einem Schockzustand. Das russische Staatsfernsehen kündigte ungeachtet einer zunächst nicht angesetzten Staatstrauer an, für die nächsten Tage auf Unterhaltungssendungen zu verzichten. Zahlreiche Verletzte äußerten scharfe Kritik an den Rettungsarbeiten. Passagiere hätten teilweise mehr als eine Stunde auf Ärzte warten müssen und seien kaum informiert worden.

Der «Newski Express» war bereits im August 2007 Ziel eines Anschlags. Ermittler nahmen damals zwei Tschetschenen fest. Die Tat selbst soll allerdings ein ehemaliger russischer Soldat organisiert haben, der bisher nicht gefasst wurde. Russische Medien berichteten am Sonntag, dass dieser zu den tschetschenischen Terroristen übergelaufene Mann als Täter infrage komme. Vor allem tschetschenische Untergrundkämpfer und ihnen nahestehende Extremisten aus der Konfliktregion Nordkaukasus hatten in der Vergangenheit häufig Anschläge auf zivile Ziele in Russland verübt.

Verkehr / Unfälle / Russland
29.11.2009 · 14:39 Uhr
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