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Viele Tote bei Bombenanschlag in Syrien

Ein von Blutspritzern umgebenes Einschussloch in der Windschutzscheibe eines Wagens in der syrischen Stadt Homs. Foto: Youssef Badawi/ArchivGroßansicht

Kairo/Beirut (dpa) - In Syrien werden die Zusammenstöße zwischen Regime und Opposition immer blutiger. Bei neuen Gewaltexzessen nahe der Grenze zur Türkei kamen am Samstag nach Angaben von Aktivisten mehr als 30 Menschen ums Leben.

Allein 14 Menschen starben bei einem Bombenanschlag auf einen Gefangenentransport in der Provinz Idlib. Die Arabische Liga denkt derweil über das weitere Vorgehen in dem Konflikt nach, nachdem eine vierwöchige Beobachtermission das Blutvergießen nicht beenden konnte.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, Terroristen hätten ein Polizeifahrzeug, in dem die Gefangenen transportiert wurden, auf einer Schnellstraße angegriffen. Mehrere Sprengkörper seien zur Explosion gebracht worden. Auch sechs Polizisten wurden den Angaben nach verletzt. Die syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte in London berichtete ebenfalls über einen solchen Zwischenfall. Es sei unklar, wer hinter der Tat stecke, hieß es.

Auch heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Deserteuren aus der syrischen Armee wurden aus der Grenzregion gemeldet. Ein Regime-Gegner aus der Provinz sagte der Nachrichtenagentur dpa während eines Telefonats, dass dabei mindestens neun fahnenflüchtige Soldaten getötet wurden. Angeblich kamen auch mehr als 25 Regime-Soldaten ums Leben. Von offizieller Seite wurde die Zahl aber zunächst nicht bestätigt. Syrische Sicherheitskräfte nahmen den Angaben nach offenbar vier Verwandte von Hussein Harmusch fest, dem Mitbegründer der «Freien Syrischen Armee» der Deserteure.

Die Arabische Liga wollte am Wochenende über den abschließenden Bericht der Beobachtermission beraten. Syriens Opposition kündigte an, dem eine eigene Darstellung entgegenzusetzen. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Umfeld führender Regime-Gegner erfuhr, rechnen die Aktivisten damit, dass sich in dem offiziellen Bericht nicht alle Angriffe der Regierungstruppen auf Demonstranten wiederfinden.

Der Leiter der Beobachterteams, der sudanesische General Mohammed Mustafa al-Dabi, sollte den Bericht über den ein Monat langen Einsatz vorstellen. Auf dieser Grundlage entscheiden die arabischen Staaten dann über ihr weiteres Vorgehen. Der Vorsitzende des Syrischen Nationalrats (SNC), Burhan Ghalioun, wollte in Kairo dafür werben, dass der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet wird und kam mit Generalsekretär Nabil al-Arabi zum Gespräch zusammen.

Insgesamt 165 arabische Beobachter hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche Krisenherde in Syrien besucht. Die Mission endete am Donnerstag. Oppositionelle kritisierten, dass die Teams vom Assad-Regime massiv getäuscht worden seien. Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn der Massenproteste gegen Assad im März mehr als 5400 Menschen getötet worden.

Die Gewalt erreichte am Wochenende auch den Libanon. Nach libanesischen Behördenangaben hatte die syrische Marine einen 14-jährigen Jungen getötet und zwei libanesische Fischer festgenommen. Aufgebrachte Bewohner der Grenzregion im Norden des Landes besetzten daraufhin stundenlang eine Schnellstraße nach Syrien und setzten Reifen in Brand.

Die Nachrichtenagentur Sana meldete am Samstagebend, dass syrische Sicherheitskräfte in der Gegend um Tel Kalakh, nahe der libanesischen Grenze, drei Menschen getötet haben. Es handele sich um bewaffnete Terroristen, die versucht hätten, Waffen aus dem Libanon nach Syrien zu schmuggeln, hieß es. Zur Nationalität der Getöteten wurden keine Angaben gemacht.

Konflikte / Syrien
21.01.2012 · 20:02 Uhr
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