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Viele Tote: Anschlag auf afghanische Klinik

Der Selbstmordanschlag galt einem Krankenhaus in der zentralafghanischen Provinz Logar. (Symbolbild)Großansicht

Kabul (dpa) - Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Krankenhaus in der zentralafghanischen Provinz Logar sind mindestens 20 Menschen getötet worden, die meisten davon Kinder und Frauen.

Der Sprecher des Innenministeriums, Seddiq Seddiqi, sagte am Sonntag, die Suche nach Opfern unter den Trümmern des zerstörten Krankenhauses sei beendet. 23 Menschen seien bei der Detonation am Samstag verletzt worden. Die Provinzbehörden hatten zunächst von 35 Toten gesprochen.

Die Internationale Schutztruppe Isaf machte Aufständische für die Tat verantwortlich. Die Taliban wiesen jede Beteiligung zurück.

Der Selbstmordattentäter hatte seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen an dem Krankenhaus im Distrikt Asra in die Luft gesprengt. In dem am stärksten betroffenen Flügel der Klinik wurden nach offiziellen Angaben vor allem Frauen und Kinder behandelt. Es war einer der schwersten Anschläge auf Zivilisten in Afghanistan in diesem Jahr. Die Tat löste international Bestürzung aus.

Aufständische setzten in der südafghanischen Provinz Urusgan am Samstag nach Angaben des Innenministeriums eine Achtjährige für einen Anschlag ein. Das Kind sei dabei getötet worden, sagte Seddiqi. «Terroristen haben ein unschuldiges acht Jahre altes Mädchen dazu gebracht, eine Tasche mit einer Bombe zu tragen und in der Nähe afghanischer Sicherheitskräfte zu platzieren.» Die Aufständischen hätten die Bombe gezündet, bevor das Kind die Sicherheitskräfte erreichte. Das Mädchen sei das einzige Opfer gewesen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai nannte den Anschlag auf die Klinik ein Werk «barbarischer und ignoranter Feinde Afghanistans». Die Vereinten Nationen kritisierten, auch «regierungsfeindliche Elemente» müssten gemäß internationalem humanitärem Recht Zivilisten schützen. «Das ist ein verabscheuungswürdiger Anschlag gegen Zivilisten, die medizinische Hilfe brauchten oder Angehörige besuchten, und gegen die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten», sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Staffan de Mistura.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte: «Diese ungeheuerliche Tat lässt jeglichen Respekt für Menschlichkeit vermissen. Das Ziel waren unschuldige Menschen: Kranke, Frauen und Kinder.» Die Nato-geführte Isaf teilte mit, sie werde mit den afghanischen Sicherheitskräften zusammenarbeiten, um die Hintermänner zu finden.

Die radikalislamischen Taliban wiesen jede Beteiligung an dem Blutbad am Samstag zurück. Möglicherweise seien ausländische Geheimdienste verantwortlich, die die Taliban diffamieren wollten, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.

Erst am Freitag waren bei einem Anschlag auf einem Markt in der nordafghanischen Provinz Kundus zehn Menschen getötet worden. Zivilisten gehören zu den Hauptleidtragenden des inzwischen fast zehnjährigen Krieges in Afghanistan. Allein im vergangenen Mai, dem bislang blutigsten Monat, starben mehr als 360 Zivilisten - die weitaus meisten durch die Gewalt der Aufständischen, wie die Vereinten Nationen berichteten.

Präsident Karsai hatte während des Anschlags am Samstag an einem Anti-Terror-Gipfel in Teheran teilgenommen. Dort hatte die iranische Regierung verkündet, ihr Land wolle die Vorreiterrolle im Kampf gegen den Terrorismus in der islamischen Welt übernehmen, und zwar ohne Einmischung der USA.

Nach Einschätzung der Nato werden ausländische Truppen nach der Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte dagegen noch über Jahre hinweg im Land bleiben. Der Sprecher der Nato-geführten Isaf, Bundeswehr-General Josef Blotz, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Auch nach 2014 wird es ein - wenn auch sehr viel kleineres - militärisches Beratungs- und Ausbildungselement vor allem der Nato hier in Afghanistan geben müssen.»

Bei Anschlägen und Angriffen Aufständischer im Osten, Süden und Westen des Landes wurden am Samstag und Sonntag nach Isaf-Angaben insgesamt sechs ausländische Soldaten getötet. Angaben zur Nationalität der Opfer machte die Isaf wie üblich nicht.

Konflikte / Afghanistan
26.06.2011 · 14:18 Uhr
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