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Viele Deutsche arbeiten in Tunesien weiter

Tunis/Paris (dpa) - Die rund 300 deutschen Unternehmen in Tunesien sind bis auf eine Ausnahme von Gewalt und Plünderungen verschont geblieben. Die Geschäftsführerin der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer, Dagmar Ossenbrink (45), gibt sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa zuversichtlich, dass sich die Lage schon bald wieder entspannt.

Frau Ossenbrink, in Tunesien gibt es rund 300 deutsche Unternehmen. Wissen Sie, wie dort die Lage ist? Sind Firmen von Plünderungen betroffen?

Ossenbrink: «Nach unserem Informationsstand hat lediglich ein deutsches Unternehmen Plünderungen gemeldet, alle anderen sind soweit wir wissen unbeschadet geblieben. Viele der Deutschen hier arbeiten trotz der Krise weiter, wenn auch nicht in gewohntem Umfang.»

Welches Unternehmen ist betroffen?

Ossenbrink: «Den Namen möchte ich nicht nennen. Nur so viel: Es ist nicht Mitglied der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer. Ansonsten dürften die Unruhen den deutschen Unternehmern jedenfalls nicht allzu teuer zu stehen kommen. Wir machen gerade bei unseren Mitgliedern eine Umfrage, wie es ihnen geht und wie bei ihnen die Lage ist. Ich denke, in ein bis zwei Tagen werden wir ein konkreteres Bild haben.»

Muss Tunesien Angst haben, dass deutsche Unternehmen nun aus dem Land verschwinden?

Ossenbrink: «Nach unserer Einschätzung im Moment nicht. Wir gehen davon aus, dass sich die Sicherheitslage relativ schnell stabilisieren wird. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich die Gewalt gegen Ausländer oder ausländische Unternehmen richtet. Im Gegenteil, die Wirtschaftsfähigkeit soll so schnell wie möglich wieder gewährleistet sein, damit das Land keinen allzugroßen wirtschaftlichen Schaden davonträgt.»

Haben sich die deutschen Unternehmer in letzter Zeit Sorgen gemacht?

Ossenbrink: «Gedanken über die momentane Sicherheitslage schon, aber keine grundsätzlichen Sorgen. Ich komme gerade aus der Botschaft, aber da war keine Massenpanik zu spüren, dass plötzlich alle hier lebenden Deutschen das Land verlassen wollten. Natürlich gab es einzelne Familien, die aus Sicherheitsgründen ausgeflogen worden sind. Aber die Unternehmensleitungen sehen überhaupt keine Notwendigkeit, jetzt die Zelte abzubrechen. In der Übergangsregierung sind keine neuen Ben Alis dabei. Neben Vertretern der Opposition und der Gewerkschaften sind auch einige alte Minister involviert. Auch der frühere Minister, der für ausländische Unternehmen und deren Investitionen verantwortlich war, ist mit dabei. Wir haben ihn in der Vergangenheit als sehr sachlichen und pragmatischen Gesprächspartner kennengelernt.»

Was kann die neue tunesische Regierung in Bezug auf die Wirtschaft besser machen?

Ossenbrink: «Zwei Aspekte sind wichtig. Der eine ist der Bürokratieabbau. Die Verwaltung muss vereinfacht und transparenter werden. Der andere ist die praktische Umsetzung von Maßnahmen in den Regionen. Es gab viele gute Richtlinien in der letzten Zeit, die aber nicht immer überall zu hundert Prozent verwirklicht wurden. Weiterhin ist für die Unternehmen eine praxisnähere Ausbildung an Hochschulen und Universitäten vonnöten.»

Konflikte / Soziales / Tunesien
17.01.2011 · 22:29 Uhr
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