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Viele Deutsch-Türken fühlen sich unerwünscht

Nach einer Studie planen 42 Prozent der in Deutschland lebenden Türken, in die Türkei zu ziehen (Symbolbild).Großansicht
Berlin (dpa) - Viele Deutsch-Türken träumen von einem Leben in der Türkei. Nach einer repräsentativen Studie der Meinungsforschungs-Institute Info GmbH und Liljeberg Research International planen 42 Prozent der in Deutschland lebenden Türken, in die Türkei zu ziehen.

Die meisten von ihnen hätten aber keine konkreten Pläne. Nur 4 Prozent wollten in den kommenden zwei Jahren in ihre Heimat beziehungsweise die ihrer Eltern zurück, sagte Geschäftsführer Holger Liljeberg bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Berlin. Dabei ziehe es deutlich mehr Junge als Alte in die Türkei.

Viele Befragte leben laut Liljeberg «zwischen den Welten»: Etwa zwei Drittel fühlten sich in Deutschland als Türke und in der Türkei als Deutsche. Mehr als jeder Zweite wolle «ohne Abstriche» zur deutschen Gesellschaft «dazugehören», aber 45 Prozent hätten das Gefühl, in Deutschland unerwünscht zu sein. 38 Prozent der Deutsch-Türken empfänden beide Länder gleichermaßen als ihre Heimat.

Die Studie vergleicht die Wertvorstellungen von Deutsch-Türken, Türken und Deutschen, die zu jeweils einem Drittel in der Erhebung vertreten waren. Sie basiert auf 1000 telefonischen Befragungen in den Monaten Juni bis August. Laut der Studie leben in Deutschland zurzeit 2,7 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln. Etwa 30 Prozent von ihnen hätten die deutsche Staatsbürgerschaft.

Grundrechtlich geschützte Werte werden der Untersuchung zufolge von Deutsch-Türken, Türken und Deutschen gleichermaßen akzeptiert. Je etwa 90 Prozent der drei Gruppen bezeichnen Werte wie Respekt gegenüber anderen Religionen und Kulturen sowie Demokratie als wichtig. Übereinstimmung zeigt sich auch in der Wertschätzung von Pünktlichkeit und in der Respektierung von Recht und Ordnung. In deutsche Institutionen setzen die Deutsch-Türken sogar ein deutlich stärkeres Vertrauen als die Deutschen selbst. Ausnahmen bilden allerdings die Polizei und die Bundeswehr.

Große Unterschiede bei den Werten gebe es bei privaten und familiären Fragen, erläuterte Liljeberg. Kindererziehung sei für gut jeden dritten Deutsch-Türken Frauensache, aber nur für 9 Prozent der Deutschen. In der Türkei meine dies sogar mehr als die Hälfte. 56 Prozent der Türken in Deutschland, aber nur 7 Prozent der Deutschen, lehnten vorehelichen Sex (der Frau) ab. In der Türkei seien es 84 Prozent. Junge Deutsch-Türken seien häufig deutlich traditioneller eingestellt als ihre Eltern, bilanzierte Liljeberg.

(Internet: www.liljeberg-online.de)

[Liljeberg Research]: Schönholzerstr. 1A, 13187 Berlin

Ausländer / Integration
19.11.2009 · 16:06 Uhr
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