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Verwirrung um stinkendes Ekelfleisch

Rinder im SchlachthofGroßansicht
Berlin (dpa) - Verwirrung um Ekelfleisch: Bakterienverseuchtes, stinkendes Fleisch mit kälteliebenden Keimen soll nach Angaben eines bundeseigenen Forschungsinstituts in den Handel gelangt sein. Das Verbraucherministerium sieht hierfür allerdings keinen Beleg.

Das Bakterium Clostridium estertheticum, das kälteresistent ist, bläht Vakuumverpackungen auf und führt zu üblem Geruch. Gesundheitsgefahr soll nicht bestehen.

Die Länder hätten keine Angaben gemacht, «die darauf schließen ließen, dass durch diesen Keim verdorbenes Rindfleisch in den Handel gelangt sein könnte», sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag auf Anfrage in Berlin. Auch Verbraucherbeschwerden seien nicht bekannt.

Das Max-Rubner-Institut (MRI) in Kulmbach berichtet jedoch von illegalen Machenschaften mit Rindfleisch: «Wir haben ganz klare Hinweise dafür, dass dieses Fleisch wieder in den Verkehr gelangt, dass umverpackt und umetikettiert wird», sagte Fleischforscher Manfred Gareis dem Sender SWR. Wie viel Bakterienfleisch auf den Markt gekommen ist, lässt sich nach Angaben des Senders nicht abschätzen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte, das Fleisch sei zwar nicht mehr zum Essen geeignet, Gefahr für die Gesundheit besteht aber wahrscheinlich nicht. Der Keim gilt nicht als krankheitsauslösend und wurde in der niedrigsten Risikogruppe eingestuft. Die Keime vermehren sich bevorzugt bei Temperaturen zwischen minus 1,5 bis 16 Grad Celsius. Dabei bilden sich Gase, die nicht nur die Verpackung aufblähen, sondern auch stinken.

Das MRI nahm 92 Rindfleischproben aus dem Handel unter die Lupe. Die Forscher fanden in 88 Prozent der Fälle den Keim. Sie fanden ihn auch in Wildfleisch, Schweinefleisch, Putenfleisch und Lammfleisch. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verunreinigung «weitaus größer ist als angenommen». Unklar ist, woher die Proben stammen. Das Institut wollte sich am Freitag nicht näher dazu äußern.

Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte Bund und Länder auf, «diese verdorbene Ware unverzüglich aus der Lebensmittelkette» zu nehmen. Die FDP im Bundestag verlangte schnelle Aufklärung. Es dürfe kein verdorbenes Rindfleisch auf die Teller der Verbraucher gelangen, sagte FDP-Verbraucherpolitikerin Christel Happach-Kasan.

Der kälteliebende Keim ist nach MRI-Angaben inzwischen nicht nur in Übersee ein Problem, sondern auch in Europa. Es wurde erstmals 1989 bekannt. Die Tests belegten, dass Schlacht-, Zerlege- und Fleischverarbeitungsbetriebe jeglicher Größe vom Problem des stinkenden Fleisches («Blown Pack Spoilage») betroffen sein könnten.

Verbraucher / Lebensmittel
09.07.2010 · 14:39 Uhr
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