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Verwirrung um angebliche Flucht von syrischem Rebellenkommandeur

General Salim IdrissGroßansicht

Beirut (dpa) - Der gemäßigte Rebellengeneral Idriss soll aus Syrien geflohen sein. Seine Truppe FSA dementiert allerdings den diesbezüglichen Bericht einer US-Zeitung. Gegenüber islamistischen Rivalen verliert die FSA zunehmend an Bedeutung.

Verwirrung um die angebliche Flucht des Generalstabschefs der pro-westlichen syrischen Rebellengruppe FSA (Freie Syrische Armee), General Salim Idriss: Ein FSA-Sprecher dementierte am Donnerstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur dpa einen Bericht der US-Tageszeitung «Wall Street Journal», wonach sich Idriss am Sonntag über die Türkei in die katarische Hauptstadt Doha abgesetzt habe.

Der FSA-Generalstabschef sei geflohen, nachdem Milizionäre der rivalisierenden Islamischen Front sein Hauptquartier im syrischen Grenzort Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei gestürmt hätten, schrieb das Blatt in seiner Online-Ausgabe in der Nacht zum Donnerstag. Die Zeitung berief sich auf namentlich nicht genannte US-Offizielle. Die USA seien über die Entwicklung «schockiert».

FSA-Sprecher Luai al-Mokdad dementierte allerdings entschieden, dass Idriss das Land verlassen habe. «Wir weisen die diesbezüglichen unwahren Medienberichte zurück», erklärte er. «General Idriss hält sich an der syrisch-türkischen Grenze auf und ging in den letzten drei Tagen seinen militärischen Pflichten nach.»

Bei einem vorherigen Anruf der Nachrichtenagentur dpa hatte der FSA-Sprecher sich zu dem Bericht der US-Zeitung nicht äußern wollen. Syrische Oppositionskreise hatten zur selben Zeit bestätigt, dass sich Idriss aus dem Land abgesetzt habe, nachdem Lebensgefahr für ihn bestanden habe. Beobachter werteten die Verwirrung um die angebliche Flucht des Top-Militärs als Zeichen für Auflösungserscheinungen in der FSA.

Die Sorge um den wichtigsten Ansprechpartner des Westens unter den syrischen Rebellen, die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfen, wurde durch den Umstand vergrößert, dass die Islamistenmilizen nicht nur das FSA-Kommando überrannt, sondern auch ein nahe gelegenes Waffenlager der FSA erobert hatten. Nach Darstellung syrischer Oppositioneller hätten Kämpfer der Islamischen Front und der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front tonnenweise Munition erbeutet.

Washington und London stellten nach diesem Vorfall ihre Lieferungen von militärischen Ausrüstungen an die FSA umgehend ein. Humanitäre Hilfe sei davon nicht betroffen, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

Die FSA wurde nach Beginn des Aufstandes gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad 2011 von Deserteuren gegründet. Sie steht auf nicht-religiöser Grundlage. Im September 2012 hatte die Rebellenstreitkraft ihr Hauptquartier aus dem türkischen Grenzgebiet zu Syrien nach Bab al-Hawa verlegt.

In den vergangenen Monaten wuchsen rivalisierende islamistische Milizen zu immer gewichtigeren Konkurrenten heran. So entstand die Islamische Front im November als Zusammenschluss von sechs islamistischen Brigaden. Die Al-Kaida-nahe Milizen Al-Nusra-Front und ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien) gehören ihr nicht an.

Während die FSA von ihren westlichen Förderern fast nur sogenannte «nicht tödliche» Hilfe erhielt - das heißt zum Beispiel Fertignahrung und Erste-Hilfe-Sets für die Front, aber keine Schusswaffen oder Raketen - , genossen die islamistischen Fraktionen großzügige Zuwendungen an Geld und Waffen aus der arabischen Golfregion.

Dies führte zu einem zunehmenden Bedeutungsverlust der FSA in ihren Kerngebieten in den nordsyrischen Provinzen Aleppo und Idlib. Ihre Kämpfer liefen in Scharen zu den mit höherem Sold und besseren Waffen lockenden islamistischen Milizen über. Die Erstürmung des FSA-Hauptquartiers durch die Islamische Front stand letztlich am Ende des Niedergangs einer Widerstandsarmee, die auf westliche Hilfe angewiesen war, welche sie aber nie in ausreichendem Maße erhielt.

Konflikte / Syrien / USA
12.12.2013 · 21:02 Uhr
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