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Vermisste Deutsche in Afghanistan: Erste Festnahmen

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Kabul/Berlin (dpa) - Im Falle zweier in Afghanistan möglicherweise entführter Deutscher haben die örtlichen Behörden mehrere Verdächtige festgenommen.

Fünf Angehörige von Nomadenstämmen in der Provinz Parwan seien in Polizeigewahrsam und würden befragt, sagte die Sprecherin der Provinzregierung, Roschana Chalid. «Es gibt eine Möglichkeit, dass diese Leute in den Fall verwickelt sind.»

Die Verdächtigen könnten Verbindungen zu Aufständischen haben. Das Innenministerium in Kabul habe die Ermittlungen übernommen. Von den beiden Deutschen fehle allerdings weiterhin jede Spur.

Außenminister Guido Westerwelle sagte am Mittwoch erneut: «Ich kann nicht ausschließen, dass es einen Entführungshintergrund gibt. Weitere Einzelheiten möchte ich hier nicht öffentlich besprechen, weil es zunächst darum geht, dass unsere deutschen Landsleute geschützt werden.»

Bislang bekannten sich weder die Taliban noch eine andere Gruppe zu einer Geiselnahme der Männer, bei denen es sich um Entwicklungshelfer aus Kabul handeln soll. Nach Angaben der afghanischen Behörden waren sie in der Bergregion wandern, als sie am vergangenen Freitag spurlos verschwanden.

Chalid sagte, deutsche Hubschrauber seien am Mittwoch die Berge abgeflogen, hätten die beiden Männer aber ebenfalls nicht gefunden. Ein Bundeswehr-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Die Bundeswehr verfügt in Afghanistan nur über sechs Helikopter des Typs CH-53, die im Norden des Landes stationiert sind.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, das Ministerium und die Botschaft in Kabul stünden «in engem und ständigem Kontakt mit den afghanischen Behörden». Untersucht würden «alle denkbaren und plausiblen Ursachen», die zum Verschwinden geführt haben könnten.

Nach dpa-Informationen ist einer der Männer für die staatliche deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kabul tätig. Die GIZ bestätigte das zunächst nicht. Der zweite Bundesbürger soll für eine nicht-staatliche Organisation arbeiten, die sich schon lange in Afghanistan engagiert.

Die Provinz Parwan gilt für afghanische Maßstäbe als relativ ruhig. Am vorvergangenen Sonntag griffen Aufständische allerdings den Sitz des Gouverneurs an; sie töteten 19 Menschen.

Vor vier Jahren hatte die Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren wochenlang Schlagzeilen gemacht. Sie waren im Juli 2007 verschleppt worden. Die Kidnapper erschossen eine der beiden Geiseln. Der zweite Ingenieur kam nach 85 Tagen Geiselhaft frei.

Konflikte / Afghanistan / Deutschland
24.08.2011 · 17:24 Uhr
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