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Vermisste Berliner Jugendrichterin tot

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Berlin (dpa) - Die für ihren konsequenten Umgang mit Straftätern bekannte Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig hat sich vermutlich das Leben genommen. Am Samstag wurde nach tagelanger Suche eine Frauenleiche in einem Waldstück gefunden. Die Ermittler sehen keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) sprach von einem möglichen Suizid. Eine Obduktion sollte die genaue Todesursache klären. Die Leiche war gegen 13.45 Uhr im Tegeler Forst im Norden der Stadt in der Nähe eines Wohngebietes entdeckt worden. Dort und auf einem angrenzenden Feld war seit Mittwoch mit Hochdruck nach Heisig gesucht worden.

Die Richterin war am Montag zuletzt gesehen worden. Täglich waren rund 60 Polizisten im Einsatz. Bei der Suche halfen auch Spürhunde. Erschwert wurde die Fahndung durch die große Hitze.

Das mysteriöse Verschwinden der Juristin, die als zuverlässig und pflichtbewusst galt, hatte große Besorgnis in Berlin ausgelöst. Bis zuletzt war gehofft worden, die couragierte und sportliche Frau unversehrt zu finden. Von einer Entführung war die Polizei von Anfang an nicht ausgegangen.

Von der Aue zeigte sich tief erschüttert über den Tod Heisigs. «Mein Mitgefühl gilt ihrer Familie», sagte die Senatorin. Den Tränen nahe würdigte sie die Arbeit und das Schaffen der «außerordentlichen» Juristin: «Wir werden Frau Heisig und ihr großes Engagement vermissen. Sie hat sich um die Berliner Justiz verdient gemacht.» Sie habe sich nie gescheut, auch ungeliebte Wahrheiten auszusprechen und sei auch mutig in den Dialog mit Eltern getreten.

Heisig war mit ihrem konsequenten Vorgehen gegen kriminelle Jugendliche bekanntgeworden. Sie war für den Berliner Problembezirk Neukölln zuständig. Einen Namen hatte sie sich mit dem von ihr entwickelten Neuköllner Modell gemacht, das mittlerweile berlinweit gilt. Danach werden kriminelle Jugendliche bei kleineren Delikten schnell bestraft und nicht erst Monate später.

Über ihre Erfahrungen schrieb Heisig zuletzt ein Buch. Es sollte unter dem Titel «Das Ende der Geduld» im September erscheinen. Die Juristin hatte vor einigen Wochen in einer dpa-Reportage auch gesagt, sie habe keine Freunde hinzugewonnen. «Ich fühle mich oft als Exot wahrgenommen», sagte sie nachdenklich. Sie beschrieb sich aber auch mit «gewissem Mut ausgestattet, mit Tatendrang und Humor».

Das verlassene Auto der Richterin war am Mittwoch im Ortsteil Heiligensee gefunden worden. Dort setzte dann die Suche sofort ein. In dem Wagen lagen persönliche Dinge wie ihr Ausweis. Ein Abschiedsbrief war nicht gefunden worden.

Notfälle / Justiz
03.07.2010 · 20:01 Uhr
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