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Vermieter lenkt ein - 103-jährige darf bleiben

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Stuttgart (dpa) - Es ist kurz vor Weihnachten, als Jörg-Michael Zentgraf am Briefkasten eine böse Überraschung erlebt. Statt friedvoller Adventspost von Freunden und Verwandten, flattert dem Stuttgarter die Kündigung des Mietvertrags ins Haus.

«Ich war total erbost und frustriert», berichtet der 65-Jährige ein halbes Jahr später. Sein Ärger ist vor allem deshalb groß, weil auch seine 103 Jahre alte schwerbehinderte Mutter Eleonore ausziehen müsste, die seit gut 50 Jahren in der Altbauwohnung in der Landeshauptstadt lebt. «Das würde sie keinen Monat überleben», ist sich Zentgraf sicher, der seine Mutter seit Jahren zu Hause pflegt.

Sie leidet an Arthrose und muss deshalb rund um die Uhr betreut werden, ist aber geistig noch recht fit. Zentgraf holt sich Rat beim Mieterverein und dessen Vorsitzender, der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Rolf Gaßmann, sorgt nun dafür, dass der Fall in die Zeitung kommt. Seitdem steht das Telefon bei Zentgraf nicht mehr still. Aber zugleich werden seine Sorgen kleiner, denn sein Vermieter macht am Donnerstag einen Rückzieher - offenkundig unter dem Eindruck des großen Medieninteresses.

Erst hatte der Vermieter auf den dringenden Eigenbedarf verwiesen und angedeutet, er wolle mit seiner Lebensgefährtin eine Familie gründen. Als der Fall große Wellen schlägt, lässt er über den Verein Haus&Grund erklären, er verzichte darauf, die Kündigung per Räumungsklage durchzusetzen. Damit kann die 103-Jährige aufatmen.

Gleichwohl hält der Mieterverein dem Vermieter «Herzlosigkeit» und «Kaltschnäuzigkeit» vor. Denn er habe den Verzicht auf Rechtsmittel zugleich mit «haltlosen Unterstellungen» verbunden. Zentgraf sei Alkoholiker und außerdem nicht in der Lage, seine Mutter angemessen zu pflegen. «Das ist eine Unverschämtheit», schimpft Zentgraf. Der Vermieter sei schon seit Jahren nicht in der Wohnung gewesen und könne sich kein Urteil erlauben. Die Diakonie habe ihm mehrfach bescheinigt, dass seine betagte Mutter von ihm bestens versorgt werde.

Für Mietervereins-Chef Gaßmann ist das Schreiben des Vermieters eine besondere Dreistigkeit: «Er versucht, seine unsoziale Tat im Nachhinein zu rechtfertigen.» Gaßmann spricht von einem besonders schlimmen Fall in einer Entwicklung, die für die Gesellschaft immer wichtiger werde. «Viele Menschen wollen in ihren Wohnungen alt werden. Und alte Bäume sollte man nicht versetzen.»

Der Geschäftsführer von Haus&Grund Stuttgart, Ulrich Wecker, erläutert, die alte Dame und ihr Sohn könnten weiter in dem Haus wohnen bleiben. Dass der Vermieter seinen Eigenbedarf an der Wohnung auf unbestimmte Zeit verschieben müsse, damit «findet er sich dann eben ab». Sollte die Mutter aber in ein Pflegeheim gehen oder sterben, dann werde der Vermieter seine «rechtlich per se wirksame Kündigung» durchsetzen.

Soziales / Wohnen
13.08.2009 · 16:36 Uhr
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