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Verheerender Selbstmordanschlag in Pakistan

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Islamabad (dpa) - Pakistan ist erneut von einem verheerenden Terroranschlag erschüttert worden. Im Zentrum der ostpakistanischen Metropole Lahore riss am Mittwoch ein Selbstmordattentäter mindestens 23 Menschen mit in den Tod, darunter zehn Sicherheitskräfte.

Wie der Sprecher der zweitgrößten Stadt Pakistans, Sajjad Bhutta, mitteilte, wurden zudem mehr als 250 Menschen verletzt, als der Attentäter vor einer Polizeistation einen mit Sprengstoff beladenen Minibus in die Luft sprengte. Zunächst hatten die Behörden die Opferzahl mit «mindestens 40 Toten» und etwa 100 Verletzten angegeben.

Bislang bekannte sich niemand zu der Tat. Innenminister Rehman Malik machte «Elemente, die das Land destabilisieren wollen», für den Anschlag verantwortlich. Gleichzeitig deutete Malik an, es könne sich um einen Racheakt der radikal-islamischen Taliban handeln, gegen die die Armee seit Anfang Mai eine Großoffensive im nordwestlichen Swat- Tal führt. Dort sowie in den ebenfalls umkämpften Nachbardistrikten Buner und Dir wurden seitdem mehr als 1100 Extremisten getötet.

Trotz des neuen Terroranschlags setzten die Streitkräfte am Mittwoch die Offensive in Swat fort und töteten mindestens zwölf Aufständische. Ein Armeesprecher sagte, das von den Taliban besetzte Mingora, die wichtigste Stadt in der umkämpften Region, werde in den «nächsten zwei bis drei Tagen» befreit sein.

Die in Lahore angegriffene dreistöckige Polizeistation wurde durch die Wucht der Detonation vollständig zerstört. Auch mehrere Gebäude in der Nachbarschaft, in denen Büros von Behörden und dem Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) untergebracht waren, wurden zum Teil schwer beschädigt. Der Sprecher der Provinzregierung, Rana Sanaullah, sagte, die Angreifer hätten zunächst versucht, in den Gebäudekomplex einzudringen. Nachdem Sicherheitskräfte den Minibus vor der Zufahrt gestoppt hätten, hätten zwei Bewaffnete das Feuer eröffnet. Wenige Minuten später sei das Fahrzeug dann explodiert.

Es wird befürchtet, dass die Opferzahl weiter steigt, da noch Verschüttete unter den Trümmern vermutet werden. Fernsehsender zeigten Bilder von Rettungskräften, die mit schwerem Räumgerät nach weiteren Opfern suchten. Armee und Polizei riegelten den Anschlagsort weiträumig ab. Unmittelbar nach der Tat wurden nach offiziellen Angaben mindestens zwei Verdächtige festgenommen. Auch Fernsehsender zeigten, wie Polizisten zwei bärtige Männer abführten.

In diesem Jahr wurde Lahore bereits von mehreren spektakulären Anschlägen erschüttert. Anfang März griffen schwer bewaffnete Extremisten die Fahrzeugkolonne der Kricket-Nationalmannschaft von Sri Lanka an. Dabei wurden sieben pakistanische Sicherheitsbeamte getötet sowie acht Sportler verletzt. Wenige Wochen später attackierten Aufständische eine Polizeischule östlich von Lahore und hielten diese mehrere Stunden lang besetzt.

Konflikte / Pakistan
27.05.2009 · 15:11 Uhr
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