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Verhandlungen auf Eis - Kita-Streiks gehen weiter

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Berlin (dpa) - Nach dem Scheitern der Verhandlungen wird eine schnelle Lösung des Tarifstreits bei kommunalen Kindertagesstätten immer unwahrscheinlicher. Am Donnerstag legten 15 000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter in fast allen Bundesländern erneut ihre Arbeit nieder.

Besonders betroffen waren Kitas in Nordrhein-Westfalen, wo 7200 Beschäftigte nicht zur Arbeit erschienen. «Die Streiks können noch lange dauern», sagte ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen. «Wir warten darauf, dass sich die Arbeitgeber endlich bewegen.» Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) betonte, man sei jederzeit bereit, ohne Vorbedingungen zu verhandeln.

Nach einer Pause am Freitag soll auch kommende Woche gestreikt werden. Der Streikschwerpunkt liege am Dienstag und Mittwoch in Nordrhein-Westfalen, teilte ver.di mit. Kommende Woche soll nicht mehr zeitgleich in fast allen Bundesländern gestreikt werden, sondern wechselweise in unterschiedlichen Ländern. Damit sollen laut ver.di und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Eltern entlastet werden, «damit sie nur für kurze Zeit von Kitaschließungen betroffen sind».

Am Donnerstag waren neben NRW auch Niedersachsen (2000) und Rheinland-Pfalz (1500) Schwerpunkte. Mit Sandsäcken demonstrierten Kindergärtnerinnen in Kassel für mehr Gesundheitsschutz. «Die Säcke zeigen den Passanten, was ein Kind wiegt. Elf Kilo für einen Vierjährigen sind nicht viel, aber über den Tag verteilt eine enorme Belastung», sagte Fazilet Karakas-Blutte von der Gewerkschaft ver.di.

Am Mittwoch waren Verhandlungen über einen tarifrechtlich geregelten Gesundheitsschutz für die rund 220 000 bei Kommunen angestellten Erzieherinnen und Sozialarbeiter gescheitert. «Das, was uns die Arbeitgeber vorgelegt haben (...) enthält lediglich Kann- Regelungen. Gesundheitsschutz soll nach Belieben erfolgen», kritisierte ver.di-Bundesvorstand Achim Meerkamp am Donnerstag.

Zudem fordern ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) deutlich mehr Geld für die Beschäftigten. Ver.di verlangt je nach Gehaltsstufe 200 bis 1000 Euro mehr pro Monat, die VKA bietet 220 Euro. Nach Gewerkschaftsangaben verdienen Erzieherinnen im Schnitt etwa 2400 Euro brutto. Da aber viele Frauen in Teilzeit arbeiten, kämen sie oft auf nur 1000 Euro netto.

VKA-Verhandlungsführer Manfred Hoffmann machte die Gewerkschaften für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Man habe einen Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz und zur Gesundheitsförderung vorgelegt, der alle Elemente ihrer Forderungen aufgreife. «Noch während wir am Verhandlungstisch mit den Gewerkschaften saßen, haben diese öffentlich das Scheitern erklärt.» Ver.di-Bundesvorstand Meerkamp wies die Kritik zurück: «Mit ihrer Hinhaltetaktik, die nur den Anschein eines Angebots bezweckt, um der Öffentlichkeit weiszumachen, dass sie an einer Lösung interessiert sind, zwingen die Arbeitgeber die Gewerkschaften, den Streik fortzusetzen.»

Arbeitsmediziner betonten, die Berufsgruppe der Erzieherinnen und Sozialarbeiter sei hohen Belastungen ausgesetzt. Der hohe Stresspegel könne zum «Burnout-Syndrom» oder zu Essstörungen bei Erzieherinnen führen, sagte David Groneberg, Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin an der Charité Berlin, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch die Risiken, an grippalen Infekten zu erkranken, stiegen deutlich. «Das Immunsystem wird durch kranke Kinder ständig angefeuert», sagte Groneberg.

Tarife / Kommunen / Kindergärten
28.05.2009 · 15:37 Uhr
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