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Verena Becker bestreitet Beteiligung an Buback-Mord

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker mit ihrem Anwalt Walter Venedey. Foto: Bernd Weißbrod/Archiv

Stuttgart (dpa) - Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker hat jede Beteiligung am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 bestritten. Sie sei bis zu ihrer Festnahme im Mai 1977 nie in Karlsruhe gewesen, sagte Becker am Montag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Damit nahm sie nach mehr als anderthalb Jahren im Prozess erstmals Stellung zum Tatvorwurf. Zur Zeit des Attentats habe sie sich im Nahen Osten aufgehalten. Von dort aus sei sie erst am Tag nach dem Attentat nach Europa zurückgekehrt. Sie sei auch nicht an der Planung des Attentats beteiligt gewesen.

Zu Beginn ihrer gut 20 Minuten langen Erklärung wandte sich Becker an den Sohn des Opfers, den Nebenkläger Michael Buback. «In allen Beiträgen und Artikeln, die ich von Ihnen gelesen habe, wollen Sie wissen, wer Ihren Vater getötet hat. Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, denn ich war nicht dabei.»

Nebenkläger Michael Buback sagte, er empfinde die Erklärung Beckers «in allen wesentlichen Punkten als völlig unzureichend». Die Hauptfrage sei weiterhin, wer die unmittelbaren Täter des Mordanschlags waren. «Man kann natürlich auch Wissen haben, wenn man nicht dabei gewesen ist», sagte der Sohn des RAF-Opfers. Buback war bislang davon ausgegangen, dass Verena Becker selbst die Todesschützin auf dem Motorrad war, auch wenn der Prozess hierfür keine belastbaren Anhaltspunkte ergeben hatte.

Der Sohn des Opfers kritisierte auch, dass Beckers Erklärung erst nach mehr als anderthalb Jahren kam. Buback wandte sich direkt an die Angeklagte: «Warum haben Sie das nicht zu Beginn dieses Prozesses - der ja sehr lang ist und sehr quälend, ich glaube auch für Sie - warum haben Sie diese Erklärung nicht zu Beginn des Prozesses abgegeben?»

Bundesanwalt Walter Hemberger sprach von einer Erklärung, die an das Ergebnis der Beweisaufnahme angepasst sei. «Es gibt sehr viele Punkte, die man kritisch hinterfragen kann.» Er hoffe allerdings, dass die Vermutung, Becker selbst sei die Schützin gewesen, «mit dieser Erklärung erledigt sein wird», sagte der Anklagevertreter. «An dieser Spekulation ist nichts dran.»

Becker ist angeklagt, am Attentat der Roten Armee Fraktion (RAF) auf Buback und seine beiden Begleiter am 7. April 1977 in Karlsruhe beteiligt gewesen zu sein. Laut Anklage soll sie eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für das Attentat sowie bei der Organisation gespielt haben.

«An einer konkreten Anschlagsvorbereitung war ich nie beteiligt», sagte Becker in ihrer Erklärung, die sie vom Blatt ablas. «Richtig ist allein, dass alle, die wir damals in der RAF organisiert waren, von einem starken Bedürfnis geleitet wurden, die Gefangenen in Stuttgart-Stammheim zu befreien. Auch wenn damals noch nichts Näheres feststand, wurde eine Aktion gegen Generalbundesanwalt Buback von uns allen im Grundsatz für richtig befunden», sagte Becker.

Persönliche Worte des Bedauerns äußerte die 59-Jährige nicht. «Während ich damals - wie wir alle - solche Schritte billigte, hat mich mein Weg, wie in der Folgezeit ja offenkundig wurde, später davon weggeführt», sagte sie lediglich. Die Verteidiger hätten lange mit Verena Becker darüber nachgedacht, ob sie ihr Bedauern äußern solle, sagte Beckers Anwalt Hans Wolfgang Euler. Man habe sich aber dagegen entschieden, weil derartige Erklärungen in Strafprozessen häufig nur Lippenbekenntnisse seien. Auch Becker hatte zu Beginn ihrer Erklärung betont, dass sie sich als Angeklagte in einem Strafprozess befinde und sich verteidigen müsse.

Prozesse / Terrorismus / RAF
14.05.2012 · 13:11 Uhr
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