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Verband: «Griechen in Deutschland verletzt»

Bonn (dpa) - Viele Griechen in der Bundesrepublik sehen das Zusammenleben mit den Deutschen durch den drohenden Bankrott des Mittelmeerstaates belastet.

«Seit der Krise müssen alle, wirklich alle meine Freunde, Bekannte und Kollegen hier jeden Tag beweisen, dass sie nicht faul in der Sonne liegen und dass sie keine Steuer hinterziehen», sagte der Vorsitzende des Verbands der griechischen Gemeinden (Bonn), Kostas Dimitriou, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir müssen uns viele dumme Sprüche anhören. Die Stimmung ist nicht gut.»

«Wir sind sehr verletzt über beleidigende Berichte der deutschen Medien über unsere Landsleute, das hilft der Freundschaft nicht», meinte Dimitriou vor Beginn der Jubiläumsfeier «50 Jahre Griechen in Deutschland - eine Erfolgsgeschichte» am Sonntag in Bonn. «Über eine Million Griechen haben in Deutschland seit den 60er Jahren gearbeitet, wir haben hier und in Griechenland zum Aufschwung beigetragen und investiert. Jetzt sind wir in Sorge, aber auch verärgert», erklärte der in Köln geborene Verbandschef. «Wir Griechen der ersten, zweiten oder dritten Generation, wir fühlen uns unter Druck.»

Erste Gastarbeiter kamen 1960, brachen dann in Scharen aus wirtschaftlicher Not auf. In den letzten Jahrzehnten sei den in Deutschland lebenden rund 350 000 Griechen eine erfolgreiche Integration gelungen, erklärte der Verband. Sie würden als Arbeiter, Angestellte, Mediziner, Unternehmer oder Gastwirte geachtet. «Wir wollen bei dem Jubiläum das Positive betonen», sagte Dimitriou. «Aber zugleich wollen wir auch bei einer Feierstunde nicht die Augen vor der Realität verschließen in diesen schwierigen Zeiten.»

Zugleich betonte Dimitriou, man wolle auch die Landsleute ermahnen, sich am strikten Sparkurs zu beteiligen. «Aber die Lage ist sehr ernst, wir haben Angst vor hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Unruhen in Griechenland.» Deutschland solle auch im eigenen Interesse helfen. «Das sind ja Kredite, Bürgschaften und keine Geschenke der deutschen Steuerzahler», sagte Dimitriou. «Und wenn es schief gehen sollte, und Athen das nicht mit Zinsen zurückzahlen kann, dann zahlen auch wir Griechen in Deutschland die Zeche, denn wir zahlen hier seit Jahrzehnten brav unsere Steuern.»

Finanzen / Griechenland / Deutschland
03.05.2010 · 06:52 Uhr
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