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Verbale Prügel für Referee Undiano

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Hamburg (dpa) - Nach der umstrittenen «Ampelkarte» gegen Miroslav Klose sah sich Alberto Undiano wüsten Beschimpfungen ausgesetzt.

Während die DFB-Auswahlspieler den Referee aus Spanien attackierten und auch der ehemalige DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel beide Verwarnungen gegen Klose «überzogen» nannte, prügelten zahlreiche User eines Facebook-Profils verbal auf den jungen Unparteiischen ein. «Kauf dir mal eine Brille, dann siehst du mal, was man als Foul bezeichnet! Fußball ist Kampfsport und nichts für Ballerinas, wenn du so pfeifst, wechsle die Sportart zum Ballett!!», schrieb am Freitag ein User des sozialen Netzwerks. Andere («Pisser!») gingen sogar weit unter die Gürtellinie. Auch über die Kommunikations-Plattform Twitter verbreiteten sich die Schmäh-Kommentare gegen Undiano rasend schnell.

Von den DFB-Kickern ging nach der die Achtelfinal-Teilnahme gefährdenden 0:1-Niederlage gegen Serbien Bastian Schweinsteiger mit seiner Kritik am weitesten. «Was der Schiedsrichter heute gemacht hat, habe ich noch nie erlebt. Das war traurig. So macht es keinen Spaß mehr, Fußball zu spielen», ätzte der Bayern-Profi. In der Kabine herrschten Wut und Enttäuschung, berichtete «Schweini», der jedoch vor der WM wie alle Spieler und Trainer vom Weltverband FIFA auf die «kleinliche Spielleitung» durch die Referees hingewiesen worden war. Dennoch betonte er: «Wenn es in jedem Spiel eine Rote Karte gibt, dann kann etwas nicht stimmen. Das ist nicht gut für den Fußball, das zerstört ihn. In der Champions League würde man darüber lachen.»

Wie auch schon einige Kollegen seiner Zunft zuvor bei dieser Endrunde hatte auch der 36 Jahre alte Undiano bei seiner WM-Premiere mit Karten reichlich um sich geworfen. Der seit 2004 auf der FIFA- Liste stehende Hobby-Tennisspieler aus dem nordspanischen Ansoain hatte Klose schon nach 37 Minuten Gelb-Rot und zudem sieben Mal Gelb (4x gegen Serbien) gezeigt. Bundestrainer Joachim Löw konnte darüber nur mit dem Kopf schütteln und verlor angesichts der Kartenflut sogar etwas die Übersicht: «Insgesamt war es ein faires Spiel. Da sind mir neun Gelbe und eine Gelb-Rote Karte zu viel.» Kapitän Philipp Lahm sprach von einem «sehr, sehr bitteren Platzverweis».

Miroslav Klose, der bereits nach 12 Minuten verwarnt wurde und 25 Minuten später nach einem Foul am Mittelkreis vom Feld musste, war untröstlich. «Ich bin todtraurig. Ich versuche immer den Ball zu spielen, es ist ja nicht so, dass es ein böses Foul gewesen ist», so der Münchner. «Da muss er nicht gleich die zweite Gelbe ziehen. Ich meine, das ist immer noch Fußball, ein Kampfsport.» Auch der frühere Nationaltorwart und heutige ZDF-Experte Oliver Kahn schlug in diese Kerbe und kritisierte. «Man muss sich vor Augen halten, dass Fußball ein Kampfspiel ist. Das war mir vonseiten des Schiedsrichters zu viel.» Und selbst der Serbe Neven Subotic (Borussia Dortmund) gab zu: «Dass er eine zweite Gelbe gibt für so etwas, ist nicht normal. Ich bin es nicht gewohnt, dass sie so harmlose Fouls mit Gelb ahnden.»

Als «neutrale Instanz» beurteilte Strigel Undianos Leistung. «Für mich war das sehr kleinlich gepfiffen. Die Gelben Karten waren ein bisschen übertrieben, die gegen Klose beide überzogen», sagte der langjährige FIFA-Schiedsrichter und DFB-Schiedsrichterlehrwart der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings sprach er auch dem zu ungestümen Klose das nötige ,Fußspitzengefühl' ab: «Wenn ein Schiedsrichter so kleinlich pfeift, muss man wissen, wie kritisch das ist, wenn man im Mittelfeld grätscht.»

Fußball / WM / Fans / Internet
19.06.2010 · 09:30 Uhr
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