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Verbalattacke gegen Kerry: Schwere US-Verstimmung gegen Israel

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Jerusalem/Washington (dpa) - Die USA haben mit Empörung auf einen Bericht über scharfe verbale Attacken von Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon gegen US-Außenminister John Kerry reagiert.

«Die Bemerkungen des Verteidigungsministers sind - wenn sie so stimmen - unverschämt und unangemessen, insbesondere angesichts all dessen, was wir für die Sicherheit Israels tun», sagte US-Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag in Washington. Einem unwidersprochenen Zeitungsbericht zufolge hatte Jaalon dem Friedensvermittler Kerry «messianischen Eifer» vorgeworfen und ihm unterstellt, er habe es nur auf den Friedensnobelpreis abgesehen. Jaalon dementierte den Bericht nicht.

Die US-Außenamtssprecherin Jennifer Psaki warf Jaalon Undankbarkeit gegenüber den USA und Kerry vor. «Außenminister Kerry und seine Mitarbeiter einschließlich General (John) Allen haben sich Tag und Nacht aus großer Sorge Kerrys um die Zukunft Israels für einen Frieden in Sicherheit für Israel eingesetzt», sagte sie laut einer Mitteilung, die Medien zitierten. «Seine Motive infrage zu stellen und seine Absichten zu verdrehen ist nicht, was wir vom Verteidigungsminister eines engen Verbündeten erwartet hätten», sagte Carney in einer ungewöhnlich scharfen Rüge Richtung Israel.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bemühte sich nach der Attacke seines Parteifreundes Jaalon um Schadensbegrenzung. «Selbst wenn wir Meinungsverschiedenheiten mit den USA haben, geht es immer um die Sache und nie um die Leistungen einzelner Personen», sagte er am Dienstag in Jerusalem. Netanjahu betonte, die USA seien Israels wichtigster Verbündeter und gute Beziehungen lägen in Israels nationalem Interesse.

Auch in Teilen der Regierung und bei der Opposition hagelte es scharfe Kritik an Jaalon. Außenminister Avigdor Lieberman bezeichnete die Äußerungen seines Kabinettskollegen als «nicht hilfreich». Justizministerin und Chefunterhändlerin Israels bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern, Zipi Livni, warf dem Verteidigungsminister vor, er habe den Beziehungen zu den USA schweren Schaden zugefügt. Oppositionsführer Izchak Herzog forderte Livni von der Hatnua-Partei und Finanzminister Jair Lapid (Jesch Atid) auf, Netanjahu die Gefolgschaft aufzukündigen und mit seiner Arbeitspartei ein Bündnis der politischen Mitte zu bilden. Zudem wurden Rufe nach einer Entlassung Jaalons laut.

Kerry bemüht sich seit Monaten ungewöhnlich intensiv um einen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern mit dem Ziel einer Zwei-Staatenlösung und eines abschließenden Friedensvertrages. Seit Ende Juli sprechen Unterhändler beider Seiten auf sein Drängen hin direkt miteinander. Sowohl Israelis als auch Palästinenser hält vor allem die Furcht am Verhandlungstisch, sie könnten für ein Scheitern der Gespräche und damit für einen schmerzhaften Ansehensverlust für die US-Außenpolitik verantwortlich gemacht werden.

Jaalon aber wetterte nach dem Zeitungsbericht: «In Wirklichkeit gibt es gar keine Verhandlungen zwischen uns und den Palästinensern, sondern die Amerikaner sprechen mit uns und parallel mit den Palästinensern. Das einzige, was uns noch retten kann, ist der Friedensnobelpreis für John Kerry, und dass er uns dann in Ruhe lässt.»

Konflikte / Nahost
14.01.2014 · 22:00 Uhr
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