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Vater wollte sich nach Hammerattacke selbst töten

Prozess um HammerangriffGroßansicht
Kassel (dpa) - Der Mann, der im April seine drei kleinen Kinder mit einem Hammer fast totgeschlagen hat, wollte nach der Tat Selbstmord begehen.

«Ich war nach der Trennung von meiner Frau und einem Sorgerechtsstreit völlig verzweifelt», ließ der 40-Jährige am Mittwoch von seinem Anwalt zum Prozessauftakt am Landgericht Kassel erklären. «Ich wollte Selbstmord begehen, aber die Kinder nicht ohne Vater zurücklassen.»

Der 40-Jährige hatte vor einem halben Jahr die damals drei, fünf und sieben Jahre alten Kinder mit Hammerschlägen auf den Kopf schwer verletzt und sich am nächsten Tag der Polizei gestellt. Wie durch ein Wunder überlebten der Junge und die beiden Mädchen.

Der Arbeitslose sagte, er habe mit einem Mietwagen gegen einen Brückenpfeiler rasen und so das Leben der vier beenden wollen. «Doch die Wahrscheinlichkeit, dass auch meine Kinder sterben, war viel zu gering. Die Vorstellung, dass sie ihr Leben unter den Folgen leiden würden, konnte ich nicht ertragen. Deshalb verfiel ich auf die Idee mit dem Hammer.» Nach der Tat sei er auf die Autobahn gefahren. «Ich verstehe bis heute nicht, warum mir der Mut zum Selbstmord fehlte.»

Die Tat sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, sagte der 40- Jährige. «Ich habe Alpträume und sehe nachts meine Kinder blutüberströmt. Ich habe sie immer geliebt, war auch mal streng, aber nur mit Worten. Aber die Trennung hat mich völlig zermürbt.» Der Fehler sei die Flucht in den Alkohol gewesen. «Ich kann nur hoffen, dass mir meine Kinder irgendwann einmal verzeihen werden.»

Nach der durch den Anwalt verlesenen Erklärung wollte sich der Angeklagte nicht weiter äußern. Möglicherweise werde er zu einem späteren Zeitpunkt aussagen, sagte der Anwalt.

Die 6. Große Strafkammer sah sich zum Schluss des ersten Verhandlungstages noch das Tatortvideo der Polizei an. In dem sieben Minuten langen Film ist die Wohnung des 40-Jährigen zu sehen. In mehreren Zimmern sind Blutflecken deutlich zu erkennen. Immer wieder fing die Kamera auch Bilder von blutüberströmten Plüschtieren auf.

Der Prozessauftakt am Mittwoch war schon nach einer guten Stunde beendet. Das Verfahren soll an diesem Donnerstag mit der Aussage der Mutter fortgesetzt werden. Die Frau vertritt ihre drei Kinder, die zwar als Nebenkläger auftreten, aber nicht vor Gericht erscheinen werden. Ihr Anwalt will lebenslange Haft für den 40-Jährigen fordern, hält aber auch Sicherungsverwahrung für möglich. «Es ist nicht auszuschließen, dass der Mann nicht schuldfähig ist», sagte der Anwalt.

Insgesamt sind zehn Verhandlungstage geplant, zu denen 23 Zeugen und zwei Sachverständige geladen sind. Ein Urteil wird für Mitte November erwartet.

Prozesse / Kriminalität / Kinder
14.10.2009 · 13:05 Uhr
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