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Valor: TheCW zieht in den Krieg

Nach NBC und CBS startet auch TheCW eine Militärserie. Das passt erstaunlich gut zum Senderprofil und gelingt auch erzählerisch besser als erwartet.

Neben CBS und NBC befeuert auch TheCW einen klaren Trend der neuen amerikanischen Season: Militärserien. Das mag zunächst erstaunen. Vor einigen Jahren, als das Portfolio des Senders noch hauptsächlich aus Teen-Dramas à la Hart of Dixie und One Tree Hill bestand, wäre diese Programmfarbe freilich erstaunlich gewesen. Doch nach dem sukzessiven Wandel vom Herzschmerz-Soap-Sender zum Epizentrum junger Superheldenserien – The Flash, Supergirl, Arrow – passt dieses Genre zumindest auf den zweiten Blick nicht schlecht zur inhaltlichen Kernausrichtung.

Ähnlich wie schon bei The Brave und Seal Team geht es gleich zu Beginn des Piloten um alles: Auf geheimer Mission fliegt ein Team von US-Soldaten im schwer bewaffneten Helikopter über Somalia hinweg, um – wohl im Rahmen einer Rendition – einen Enemy Combattant festzusetzen und mitzunehmen. Während Offizierin Nora Madani (Christina Ochoa) und Captain Leland Gallo (Matt Barr) geduldig im Militärheli warten, während die Kollegen am Boden zur Tat schreiten, geht dort die Sache schief. Als sie mit dem gefesselten Feind zurück in den Helikopter steigen, haben sich schon bewaffnete Gegner formiert, die sie unter Beschuss nehmen.

Einen Monat später sind Nora und Leland zurück auf ihrer Militärbasis in Georgia. Uns wird vermittelt: Sie haben in ihren Berichten über den Einsatz in Somalia gelogen. Vereinzelte präzise Motive trägt die erste Folge der Serie in typischer Salamitaktik vor: Der Typ, den sie festnehmen sollten, war nicht, wie ihnen mitgeteilt worden war, ein somalischer Staatsbürger gewesen, sondern ein amerikanischer Soldat. Als sie nach dem Absturz einem weiteren US-Soldaten begegnen, der die Überstellung des Gefangenen fordert und droht, Nora und Leland andernfalls zu erschießen, feuert Nora geistesgegenwärtig einen tödlichen Schuss auf den Mann ab.

Während Nora und Leland in Georgia derweil weiterhin versuchen, nicht aufzufliegen – erste Gewissensbisse von Nora bergen hier freilich noch reichlich Konfliktpotential für zukünftige Folgen, – sitzen die damals nicht geretteten Kollegen in somalischer Gefangenschaft fest. Bald scheint ihnen die Gelegenheit günstig, sich zu befreien, und selbstverständlich setzen auch die damit betrauten Regierungsbehörden alles daran, die Männer zu befreien.

„This is what war is now: Covert ops”, analysiert Leland den Zustand amerikanischer Kriegsführung in Zeiten, in denen Boots on the ground, also die direkte, offizielle Involvierung amerikanischer Kampftruppen an globalen Konflikten weder international gewollt noch der kriegsmüden amerikanischen Öffentlichkeit zu vermitteln sind. Selbstverständlich können aber die amerikanischen Sicherheitsbehörden nicht tatenlos zusehen, wie sich in Somalia, Pakistan oder anderswo die Feinde der USA formieren, um Anschläge auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zu planen und auszuführen. Die faktisch einzige Möglichkeit zum unumgänglichen Eingreifen besteht also in streng geheimen Operationen, in Staaten, zu denen man entweder nicht einmal diplomatische Beziehungen hat oder deren Führung den USA im Speziellen und der westlichen Welt im Allgemeinen feindlich gesinnt ist. Wohin das führt, zeigt Valor – dramatisch maßlos überspitzt, mit allerhand kitschigen bis dämlichen Romantik-Nebenschauplätzen und viel zu vielen forcierten markigen Sprüchen. Aber im Kern doch folgerichtig analysiert.

Obwohl Valor von allen Militär-Neustarts von amerikanischen Kritikern die schamlosesten Verrisse eingefahren hat, ist es doch für die politische Diskussion eigentlich das relevanteste Format, das sich, anders als die Konkurrenz auf den anderen Sendern, nicht damit zufrieden gibt, im Procedural-Modus Entführungen und Extractions abzuarbeiten. Dass im dramaturgischen Zentrum eine starke weibliche Hauptfigur den Heli steuert und Tapferkeitsmedaillen an die Uniform gesteckt bekommt, sollte hinsichtlich der normativen Wirkung einer solchen Serie auch nicht unterschätzt werden. Ähnliches hat zuletzt Carrie Mathison drüben bei Showtime fertig gebracht – dort natürlich unter politisch weitaus wichtigeren und erzählerisch deutlich klügeren Bedingungen.
Meinungen / TV-Kritik / First Look
12.10.2017 · 15:04 Uhr
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