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USA-Vorwahlen - Wenn zwei sich streiten, freut sich Palin

Der Favorit konnte einen deutlichen Sieg einfahren, das ist die wichtigste Meldung einen Tag nach dem Super-Tuesday, einem der wichtigsten Tage in den Vorwahlen zur amerikanischen Präsidentenwahl. Doch das Rennen ist noch längst nicht vorbei. Der Favorit heißt Mitt Romney, er ist ein Kandidat der Mitte, ein Kompromisskandidat, auf den man sich einigen könnte - und zugleich einer, der vielen Republikanern zu konturlos ist. Das ist sein großes Problem.

Denn Romney hat einen Gegner, der so ziemlich das Gegenteil von ihm ist. Rick Santorum ist absolut kein Kompromisskandidat, er hat hat so viele Ecken und Kanten, dass er faktisch keine Chance auf die amerikanische Präsidentschaft hat. Er wird niemals die Mehrheit der Amerikaner auf seine Seite holen. Aber genau das ist seine Chance gegen Romney.

Der konnte zwar sechs von zehn amerikanischen Bundesstaaten, in denen gestern die Vorwahlen stattfanden, für sich entscheiden. Aber er wird Rick Santorum einfach nicht los. Der erzkonservative, religiöse Santorum ist eine echte Herausforderung für Romney. Er erhält in der republikanischen Partei nie genügend Zustimmung, um zum Herausforderer von Barack Obama bei den Wahlen im November zu werden, aber er bekommt aus dem rechts-konservativen Lager immerhin so viele Stimmen, dass sich Romney nicht deutlich von ihm absetzen kann.

Er handelt im Sinne Gottes

Und Santorum gibt nicht auf. Er glaubt, im Sinne Gottes zu handeln, wenn er sich als der große Verfolger Romneys zeigt. Santorum ist katholisch und streng gläubig. Mitt Romney ist Mormone und hängt seinen Glauben schon deshalb nicht an die große Glocke, weil selbst in den USA, der Heimat der Mormonen, viele der Glaubensgemeinschaft skeptisch gegenüberstehen. Außerdem ist Santorum erzkonservativ. Dagegen wirkt der liberalere Romney schon fast sozialistisch - zumindest auf den rechten Rand der Republikaner.

Der dritte Unterschied besteht in Sachen Wirtschaft und Jobs, dem wichtigsten Thema der diesjährigen Präsidentschaftswahlen. Rick Santorum möchte den ehrlichen Arbeiter repräsentieren, der sich durch Fleiß und handwerkliches Geschick auszeichnet. Mitt Romney dagegen hat Karriere als Finanzinvestor in der Wirtschaft gemacht. Er war vor seiner politischen Karriere jemand, den Franz Müntefering als Heuschrecke bezeichnet hätte – er investierte in marode Unternehmen, entließ Mitarbeiter, sanierte so die Firmen und verkaufte sie mit Gewinn weiter. Sein Vermögen wird auf etwa 700 Millionen Dollar geschätzt.

Santorum handelt zwar seiner Meinung nach im Sinne Gottes, im Sinne seiner Partei handelt er bestimmt nicht. Viele Republikaner wären inzwischen über ein Ende des Vorwahlkampfes froh, denn die Kandidaten zerfleischen sich gegenseitig und spielen dem eigentlichen Gegner, dem demokratischen Amtsinhaber Barack Obama, damit in die Karten. Er sieht, wie Mitt Romney unter dem Wadenbeißer Santorum leidet, wie schwer es dem republikanischen Favoriten fällt, seinen Verfolger abzuschütteln.

Jetzt auch noch Sarah Palin

Obama weiß, dass Romney nicht gestärkt aus diesem Vorwahlkampf gehen wird. Die Wähler in den USA sind schmutzige Wahlkämpfe gewöhnt, aber das aktuelle Rennen setzt dem bisher Dagewesenen noch einen drauf. Dass sich vier Kandidaten aus derselben Partei so rücksichtslos bekämpfen, hat dieses Land noch nicht erlebt. Dass Parteimitglieder sich gegenseitig so schwächen, dass sie nicht zusammen gegen den Gegner aus der anderen Partei kämpfen und dass Kandidaten ohne tatsächliche Siegchancen sich weigern aufzugeben, ist schon absurd.

Nur eines ist noch absurder: Dass sich nun eine wieder ins Gespräch bringt, die schon lange ihre Ambitionen auf den diesjährigen Wahlkampf begraben hatte: Sarah Palin. Die Ex-Gouverneurin von Alaska, die im 2008er Wahlkampf als Vize des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain gegen Obama verlor, spricht nur einen Tag nach dem Super-Tuesday plötzlich davon, dass sie gerne gegen Obama antreten würde.

Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte, hat sich Palin wohl gedacht, als sie ihre Ambitionen gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender CNN offenbarte. Ob sie dabei die Rückendeckung ihrer Partei haben wird, ist äußerst fraglich. Die 52-Jährige hat nach einer Reihe von peinlichen Auftritten viel Unterstützung eingebüßt. Das war ursprünglich auch der Grund, warum sie nicht zu den Vorwahlen angetreten ist.

[news.de] · 07.03.2012 · 10:35 Uhr
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